Den Bericht vom Turnier in
Fukuoka
November 2008 findet man vorerst hier

Verborgenes Japan - Ein Reisebericht

Vorwort von Peter

„Ich kann jetzt fliegen“...das war ihr "Guten Morgen" von gestern...Ja, klar...habe ich gedacht, fliegen können wir alle...bloß nicht nach Japan.

Und so treibt mich der Neid. Die kleinste ("beste" trau ich mir nicht zu sagen) Chefin der Welt, die sich jetzt zu ihresgleichen begibt mit neuen Aufgaben zu belasten.

Vielleicht wird dieses Reisetagebuch ja auch ein Bestseller...

Computer soll es ja in Japan geben wie Zellstoff bei DESINFECTA, also wäre es doch gelacht, wenn das nichts werden soll...

Tina wird also dazu verdammt ein Reisetagebuch zu führen und möglichst täglich zu veröffentlichen.Tschuldigung Tina.....;-)

________________________________________________________________________________________

Vorwort von Tina

Also mal ehrlich.... wenn das in Japan mit den Computern genauso gut klappt wie mit europäischen Handys, dann bin ich echt aufgeschmissen und kann im Internet gar nix veröffentlichen. Europäische Handys funktionieren in Japan in der Regel nicht, da kaum einer der europäischen Netzbetreiber einen Roaming-Vertrag mit Japan hat!Naja, so werd ich wenigstens nicht von Angestellten (z.B. von Peter) unnötig belästigt... :-)Aber, da ich schließlich in Japan ins Kloster gehen werde (lacht nicht, denn das ist kein Scherz) wird mir tatsächlich nur selten ein Computer zur Verfügung stehen. Da gibt es dann vielleicht auch gar nicht so viel zu berichten. Außer dem Morgengebet ist da nicht viel los. Obwohl mir noch schleierhaft ist, warum die Reiseleitung meint, ich solle eine Taschenlampe für das Gebet mitbringen (??).

________________________________________________________________________________________

________________________________________________________________________________________
arrow_oben

Aber nun zum eigentlichen Reisebericht.

4.11.2007 – Abreise ins Land der aufgehenden Sonne

Zur Zeit bin ich noch nicht mal abgeflogen. Ich hänge hier noch die nächsten vier Stunden auf dem Wahnsinnsflughafen Frankfurt fest. Leider ist ja mein Zubringer Flug von Dresden hier schon um 15 Uhr gelandet. Weiterflug ist aber erst gegen 21 Uhr. Mit anderen Worten... ich muss mir noch ca. vier Stunden hier die Zeit vertreiben bevor ich in mein Langstreckenflugzeug steigen kann. Aber nicht ärgern. Ich erfreue mich derweil an der schönen Flughafendekoration. Ob man es glaubt oder nicht... hier weihnachtet es schon sehr. Überall stehen die Weihnachtsbäume und die Lichterketten schillern neonfarben in das eh schon triste Flughafengebäude.So beginnt also meine Japan-Reise.

Ich bin mal gespannt wie der Service der All Nippon Airways (ANA) so aussieht. Sollte das japanische Flugpersonal genauso gut Englisch sprechen, wie der Rest der Japaner, kann ich mir wahrscheinlich nicht mal ein Glas Wasser bestellen. Wie gut, dass ich schon ein reichhaltiges Mittagessen hier am Flughafen vertilgt habe (einen Salat mit Geflügelstücken für wahnsinnige 8,50 Euro!).

Meine typische Reisekrankheit hat mich natürlich auch schon ereilt! Ich habe wie immer vor Reisen Durchfall.

Jetzt geht also die lange Reise von Frankfurt nach Tokyo und von Tokyo anschließend nach Hiroshima.

________________________________________________________________________________________ 
arrow_oben

6.11.2007 – Hiroshima

Ich bin also gestern abend doch noch gut in Hiroshima angekommen. Der letzte Flug von Tokyo hierher war aber schon eine echte Tortur.

Heute Morgen ging es schon gegen 9 Uhr los (trotz einiger Beschwerden von anderen Reiseteilnehmern - aber schließlich wollen wir ja auch etwas erleben). Ich konnte allerdings schon gegen 6 Uhr nicht mehr schlafen und bin deswegen vor dem Hotel spazieren gegangen.

Leider liegt unser Hotel etwas außerhalb der Stadt, so dass ich abends nicht die Stadt unsicher machen kann. Dafür liegt das Hotel aber direkt an der Deltamündung des Ōta-gawa (Fluß Ota)

Das heißt, sie wäre noch schöner ohne den Frachtschiffverkehr. Es gibt sogar zwei kleine Strände und Hunderte von streunenden Katzen!

Das Wasser ist herrlich warm. Das musste ich heute feststellen, als ein Schiff Wellen verursachte, diese dann gegen den relativ tiefen Quai schlugen und ich meine morgendliche Dusche abbekam.

Nach einem exotischen Frühstück (Japaner essen morgens schon Reis, Fisch und Miso-Suppe)  ging es dann los zur Insel Miyajima.

Die Insel galt bereits in vorhistorischer Zeit als heiliger Ort. In der Vergangenheit durfte es auf Miyajima weder Geburten noch Todesfälle geben, da beides als Zustand der Unreinheit gilt. Noch heute müssen Tote auf die Hauptinsel zur Bestattung gebracht werden. Frauen dürfen die Insel erst seit dem 20. Jahrhundert betreten.

Auf der Insel laufen zahlreiche zahme Hirsche frei umher, die die neuankommenden Besucher der Insel erwarten und teilweise sehr aufdringlich um Futter betteln. Typisches Souvenir der Insel sind hölzerne Reislöffel (Shamoji) und Kekse in Ahornblattform.

Auf Miyajima haben wir uns den Itsukushima Schrein angeschaut. Das ist einer der berühmtesten Schreine. Viele werden sicher das Wahrzeichen kennen.

Vor dem Schrein stehen (wie bei jedem Schrein) drei Torii (hölzerne Tore, die die Seele reinigen sollen, bevor man den Schrein betritt). Das Wahrzeichen des Schreins, das erste der drei Torii ist zinnoberrot und steht mitten im Wasser. Es stammt aus dem Jahre 1875 und ist das größte Torii dieser Art. Ein solches Torii stellt die imaginäre Grenze zwischen dem Weltlichen und dem Sakralen dar. Da diese Grenze im Falle des Itsukushima Schreins etwa 160 m vor der Insel liegt, wird nicht nur die Heiligkeit der Insel sondern auch die des Wassers unterstrichen. Bei Ebbe kann man übrigens sogar bis zum Torii laufen.

Der Schrein hat seinen Ursprung im Jahre 593. Schon damals wurde er für Taira no Kiyomori in der heutigen Grundform gebaut. Die Hauptgebäude ruhen direkt vor der Insel auf erhöhten Plattformen, deren Pfeiler bei Flut im Wasser stehen, so dass die ganze Anlage zu schwimmen scheint. Die Gebäude sind mit einem 280 m langen überdachten Korridor miteinander verbunden.

Teil des Schreins ist die älteste erhaltene Nō-Bühne (uralte Form des japanischen Theaters) der Welt, bestehend aus einer überdachten Bühne und einem Gebäude für die Schauspieler.

Vom Schrein fuhren wir zurück zum Aki Hotel in Hiroshima, wo uns ein "interessantes" Mittagessen erwartete. Außer dem Reis, war mir keine Speise geläufig. Alles relativ gewöhnungsbedürftig. Die gebackene Auster (übrigens eine Spezialität aus Hiroshima) war das Beste. Aber vor allem waren die Erklärungen der Reiseleitung bezüglich des Essens sehr dürftig.

Ich bin ja kein Miso-Suppen-Fan, also habe ich daran auch nur genippt. Sashimi (roher Fisch) mag ich ja und dieser war auch von ausgezeichneter Qualität.

Aber da gab es noch ein puddingartiges Häufchen in einer braunen Soße. Die Reiseleitung erklärte, das diese Speise von einer Wurzel hergestellt würde. Für den deutschen Geschmack eher nicht zu empfehlen. Zum Schluss gab es Tempura (frittierte Meeresfrüchte und Gemüse). Sehr lecker. Zum Nachtisch gab es Orangen und den japanischen Schokoladenersatz. Es handelt sich dabei um eine Art Teig aus süßen roten Bohnen mit Klebereis gefüllt.

Den Nachmittag verbrachten wir im Friedenspark. Der Friedenspark erinnert heute an den grausamen Atombombenabwurf vom 6. August 1945 über Hiroshima. Wichtigstes Mahnmal ist die Atombombenkuppel. Dabei handelt es sich um die einstige japanische Industrie- und Handelskammer, die nach einem Entwurf des tschechischen Architekten Jan Letzel erbaut und im April 1915 fertig gestellt wurde.

Trotz des geringen Abstands von 160 m vom Bodennullpunkt bleiben die Gebäudestrukturen weitgehend erhalten. So gab die noch erhaltene Stützkonstruktion des Daches dem Denkmal seinen Namen.

1955 wurde das Friedensmuseum im Friedenspark eröffnet. Die Stiftung, die das Museum betreibt, sammelt Erinnerungsstücke an die Ereignisse und Erfahrungsberichte der Opfer (Hibakusha) und ist gleichzeitig auch aktiv in der internationalen Friedensbewegung. So schildert das Museum nicht nur detailliert die Katastrophe vom 6. August, sondern geht auch der Verbreitung der Atomwaffen in der Welt nach.

Weitere Sehenswürdigkeiten im Friedenspark sind die Friedensglocke und das Friedensdenkmal der Kinder. Dieses Denkmal erinnert an die Geschichte des Mädchens Sadako Sasaki (1943-1955). Sie kämpfte bis zu ihrem Tod mit dem Falten von Origami-Kranichen gegen ihre Leukämie-Erkrankung, die durch die freigewordene Strahlung nach dem Atombombenabwurf verursacht wurde. Aufgrund der weltweiten Anteilnahme an ihrem Schicksal wurden Papierkraniche zu einem Symbol der internationalen Friedensbewegung und des Widerstandes gegen den Atomkrieg. Tausende solcher Kraniche sind überall im Park zu sehen.

Direkt vor dem Friedensmuseum steht der Kenotaph (eine art Grabstein für alle Opfer des Atombombenabwurfes) und die Flamme des Friedens. Man sagt, die Flamme erlischt erst, wenn es keinen Krieg mehr auf der Welt gäbe. Ein ewiges Feuer also. Das Besondere an diesen Denkmälern ist, dass sie in einer Geraden zur Atombombenkuppel weisen und damit jedem Besucher bewusst machen, dass ein Krieg außer Verderben und Opfer niemandem etwas bringt.

Dies war also der erste Tag in Japan. Ich packe jetzt meinen Rucksack, denn morgen geht’s mit dem Schiff nach ________________________________________________________________________________________ 
arrow_oben

7.11.2007 – Matsuyama

Heute hatten wir großes Glück mit dem Wetter. Sonnenschein pur. Daher bin ich wohl auch so früh aufgewacht und habe sofort den morgendlichen Spaziergang von gestern wiederholt. Meine Neugierde zahlte sich wieder aus und so stieg ich auf einen kleinen Berg, von dem aus man eine herrliche Aussicht auf die gesamte Bucht von Hiroshima aus hat.

Unweit von unserem Hotel befindet sich der Hafen. Von der Plattform aus starten regelmäßig Schnellboote, die das Seto-Binnenmeer in kürzester Zeit überqueren. Es heißt zwar Binnenmeer, aber das Wasser ist trotzdem an stürmischen Tagen sehr unruhig. Daher sage ich zu der Überfahrt nur soviel: ich bin offensichtlich nicht seefest.

Endpunkt der Fahrt nach 120 km ist Matsuyama (Kiefernberg). Das ist gleichzeitig unser heutiges Exkursionsziel.

Die Stadt Matsuyama ist mit seinen 465000 Einwohnern nicht nur die größte Stadt der Präfektur, sondern auch die größte Stadt der Insel Shikogu. Matsuyama entwickelte sich von einer jōkamachi - einer Burgunterstadt. Die Stadt liegt hauptsächlich im Flussdelta des Shigenobu-gawa und wurde im Norden durch das Setonaikai (Seto-Binnenmeer) begrenzt. Umrahmt ist die Stadt von bis über 1000 m hohen Bergen. Im Zentrum selbst dominiert der Schlossberg.

Matsuyama ist zum Teil berühmt für seine traditionelle Textilherstellung. Also war die erste Station des heutigen Tages eine hier ansässige Färberei und Weberei. Hier haben wir ein „Handtuch“ (eigentlich eher ein Taschentuch) indigoblau und batik eingefärbt.

Anschließend gab es schon wieder Mittag (ich wollte eigentlich hier nicht essen, sondern etwas erleben!) und so langsam kommt mir der Fisch zu den Ohren raus. Er schmeckt auch immer recht eigenartig. Daher gibt's heute abend bei mir auch nur Obst.

Zum Stadtbild gehört die Burg Matsuyama (Matsuyama-jo), eine bekannte Touristenattraktion und eine von nur vier im Original erhaltenen japanischen Burgen (von ehemals über 250).

Das Schloss taucht in den Annalen auch unter den Namen Kachiyama-jo und Kinkame-jo auf. Es befindet sich auf dem Shirayama, ein beachtlicher Hügel, der sich mit 130 m quasi mitten im Stadtzentrum erhebt, weshalb man vom Schloss aus einen genialen Ausblick hat - man kann die ganze Stadt, viele Berge und gar bis Honshū sehen. Die Geschichte des Schlosses war nicht immer vom Glück beseelt: Erbaut wurde es ab 1602 von Katō Yoshiaki - mit einem fünfstöckigen Donjon. Der brannte bald ab und wurde ab 1635 von Matsudaira Sadayuki durch einen dreistöckigen Donjon ersetzt. Gleichzeitig wurde die Anlage allerdings erweitert. 1784 - in Friedenszeiten also - wurde das Schloss vom Blitz getroffen und brannte erneut ab. Erst 1820 beschloss man, das Schloss wiederaufzubauen - bis zur Umsetzung dauerte es jedoch 34 Jahre. Was ziemlich erstaunlich ist, denn der allgemeine Trend um 1854 war eher die Zerstörung von Schlössern als deren Wiederaufbau!

Zwischen 1968 und 1986 wurde das Schloss generalüberholt. Original sind der Donjon, die Yagura und die Tore. Im Donjon sind ein kleines Stadtmuseum und der Familienschatz der Matsudaira untergebracht. Eintritt kostet 350 Yen. Der Aufstieg zum Schloss vom Stadtzentrum aus braucht allerdings seine Zeit und ist ziemlich steil. Wer also zu faul ist oder zu wenig Zeit hat, kann mit der Straßenbahn bis Ichiban-chō fahren, von dort zur Seilbahnstation laufen und für 1000 ¥ ein Ticket lösen - das beinhaltet Hin- und Rückfahrt mit Seilbahn oder Sessellift (fahren parallel) und das Eintrittsgeld für den Donjon.

Wir nahmen den Sessellift, ein wahres Erlebnis. Für den der Höhenangst hat nicht empfehlenswert.

Matsuyama ist aber auch einer der berühmtesten Kurorte in Japan. Es ist die älteste in Japan bekannte Thermalquelle. Das berühmteste Bad wiederum, in dem sogar der japanische Kaiser gebadet hat, ist der Dogo – Onsen. Das Bad im 40 Grad warmen Wasser mit dem Rest der Reisegesellschaft habe ich mir allerdings erspart. So gut kennen wir uns schließlich nicht. Darüber bin ich auch ganz froh, denn alle Teilnehmer des Bades kamen gekocht wie die Hummer wieder raus.

Statt des Bades kann man einen kleinen Stadtbummel machen. Man geht vom Onsen einfach nach Süden die sehr lange, komplett überdachte Okaidō Arkade ab - eine Einkaufsmeile. Wenn man sich von dort gleich links hält, kommt man ins Vergnügungsviertel mit zahlreichen Trinkhallen, Bars und Restaurants. Hier habe ich mir dann japanische Schuhe gekauft.

Am Eingang der Arkade steht noch eine Sehenswürdigkeit. Eine Uhr. Diese zeigt Auszüge eines berühmten Romans eines Dichters aus Matsuyama.

Die Speicherkarte (1 GB) meines Fotoapparates ist schon voll! Ich musste mir eine neue kaufen. Um genügend Speicherplatz zu haben, habe ich eine 4 GB genommen. Im Hotel habe ich festgestellt, dass sie nicht funktioniert. Also musste ich wieder in den Fotoladen zurück und die Karte umtauschen. Das Problem war, wie erklärt man einem Japaner, warum die Karte im Fotoapparat nicht funktioniert.

________________________________________________________________________________________ 
arrow_oben

8.11.2007 – Takamatsu

Die Etappe des heutigen Tages war ganz schön anstrengend. Gegen 8 Uhr morgens ging es schon los. Zwei Stunden Fahrt mit dem Bus bis zum Kotohira-Schrein. Die Zeit dorthin vertrieb uns die Reiseleitung mit dem Erklären von einigen Kanji (einem Teil der japanischen Schriftsprache) und nun kann ich tatsächlich einige Zeichen lesen. Allerdings nicht viel, aber ich weiß wie ich Auto, Berg, kleiner und großer Wald, Mann, Frau und die Zahlen von 1 bis 100 geschrieben werden. Aussprechen kann ich es trotzdem noch nicht. Das ist vielleicht Lektion 2 für morgen.Aber zurück zum Kotohira-Schrein. Dieser liegt direkt in der Stadt Kotohira. Er wird auch Konpira-san (Elefantenkopfberg) genannt und soll im 1. Jahrhundert errichtet worden sein. Der Schrein liegt 521 m auf halbem Wege zur Spitze des Berges Zozu. 785 steinerne Stufen führen bis zum Hauptschrein und 1,368 bis zum innersten Heiligtum. Das ist ziemlich mühsam, denn die Stufen sind sehr unregelmäßig angeordnet. Seit der Muromachi-Zeit sind Pilgerfahrten zum Schrein populär geworden, und jeden Tag machen mehrere hundert Pilger auf den Aufstieg. Die Pilger erkennt man an ihren weißen Jacken und den Rosenkränzen, die sie immer klappernd bei sich tragen. Auf dem Weg zum Schrein befindet sich ein Sake-Museum (am Anfang) und viele Steine, in welche die Namen von Spendern für den Schrein und die gespendete Summe mit Kanji eingeritzt sind.

Lange Zeit war unklar, ob der Kotohira Schrein ein buddhistisches oder ein schintoistisches Heiligtum sein sollte. Haupt-Kami des Schreins war lange Zeit lang Ō-mono-nushi(-no-mikoto), eine mit Seefahrt assoziierterte Gottheit (der auch als buddhistische Gottheit Kompira verehrt wird), bis er im Jahr 1165 durch Sutoku-tennō ersetzt wurde. Für Seefahrer ist es eine Tradition, kleine Fässer mit Opfergaben an Ō-mono-nushi in die See zu werfen. Von dem, der diese findet, wird erwartet, sie zum Schrein zu bringen. Die großen Schifffahrts-Unternehmen Japans gehören auch zu den ujiko des Schreins, also zu seiner Gemeinde. Fast alle japanischen Schiffe haben ein Amulett des Schreins an Bord.

Die verehrte Reliquie des Schreines ist angeblich eine hölzerne Statue, die der 75. Kaiser Japans (Sutoku) in einem Korb an die Priester des Schrein schickte. Allerdings wurde dieser Korb nie geöffnet. Weitere zwei Körbe wurden später jinzugefügt, wahrscheinlich befinden sich Spiegel darin.

Im Nebenschrein Asahi-no-yashiro (ein massha) werden alle achtzig Myriaden Kami des Shintō verehrt. Im Harai-do-no-yashiro (ein massha) werden die vier Reinigungs-Kami (Harai-no-kami) Haya-aki-tsu-hime-no-mikoto, I-buki-do-nushi-no-kami, Se-oritsu-hime und Haya-sasura-hime-no-kami verehrt. Die Landwirtschafts-Kami Ō-toshi, Mi-toshi und Waka-toshi haben zusammen ihren Platz der Anbetung im Mi-toshi-no-yashiro (einem massha). Der Berg-Kami Ō-yama-tsu-mi hat hier den Ō-yama-tsu-mi-no-yashiro als massha. Für Sugawara no Michizane ist der Sugawara-no-yashiro errichtet worden. Ein weiterer massha ist einer von Ō-mono-nushis Ehefrauen, Miho-tsu-hime, gewidmet. Ein besonders berühmter Anhänger Ō-mono-nushis, Kronprinz Shōtoku Taishi, wird als einziger Gast-Kami (aidono-no-kami) im Kotohira Schrein ebenfalls verehrt. Ebenfalls existiert ein massha für die Kami der Straßen und Wegkreuzungen, Sae-no-kami, wo sie unter ihren individuellen Namen verehrt werden, was eine sehr seltene Variante ihrer Verehrung ist.

Von nicht nur religiösem Interesse ist die Oku-shoin (die Innere Mal-Halle), in welcher (meist nur für eine kurze Zeit innerhalb mehrerer Jahrzehnte) eine Vielzahl gestifteter japanischer Kunstgegenstände ausgestellt werden, darunter Werke von Jakuchu Ito, Maruyama Ōkyo und Tanryo Murata.

Nach den 785 Stufen wird man aber mit einem atemberaubenden Blick über Shikoku belohnt. Gleich an der Treppe steht die Hauptgebetshalle die durch einen meterlangen Korridor mit einer fast ebensogrossen Nebengebetshalle verbunden ist. Auf dieser Ebene kann man die üblichen Glücksbringer kaufen, unter anderen auch welche mit einem Hündchen.

Der Legende nach sei ein Pilger einst mit seinem Hund nach Kotohira gekommen. Aber der Pilger wurde krank. An seiner statt ist der Hund auf den Berg gepilgert und hat zu der Shinto-Gottheit gebetet. Und der Pilger wurde alsbald wieder gesund.Wer nun immer noch nicht müde ist, kann dann die weiteren 500 Stufen bis zum Inneren Schrein aufsteigen. Leider hatte ich selbst keine Zeit diesen zu besichtigen, denn der Reisebus wartete schon, um unsere Gruppe zum Mittagessen nach Takamatsu zu fahren.

Das war diesmal ausgesprochen lecker, denn es gab die lokale Spezialität – Udon (Nudeln).

Eine Sehenswürdigkeit von Takamatsu (wörtlich heißt das „hohe Kiefer“) ist der Landschaftspark Ritsurin. Ritsurin bedeutet Kastanienwald. Warum der Park danach benannt wurde, weiß ich leider nicht, denn ich habe dort keine einzige Kastanie entdeckt..... nur japanische Kiefern. Einen Besuch ist das riesige Gelände auf jeden Fall wert. Im Park selbst findet man ein traditionelles Teehaus sowie verschiedene Ausstellungen von Handwerkskunst. Ein kompletter Rundgang im Park nimmt fast eine, bis zwei Stunden in Anspruch. Es gibt viele Brücken und kleine Pfade. Von kleinen Hügel im Park aus hat man großartige Aussichten auf den Park und die angrenzenden Landschaftsbilder. Unter anderem sieht man auch den Berg Shuin, der im Westen des Parks liegt. Die vielen Teiche sind mit tausenden von Koi-Karpfen gefüllt.

Die letzte Station des heutigen Tages war der Yashima Tempel. Er liegt im Osten der Stadt Takamatsu auf der Halbinsel Yashima, die sich hoch über die Stadt erhebt. Der Tempel selbst ist nicht so interessant. Er ist wieder eine Pilgerstation auf dem 88-Tempel-Pilgerweg auf Shikogu.

Von hier aus hat man allerdings einen atemberaubenden Blick auf die Stadt selbst und auf das Binnenmeer. Hier vor der Küste fand auch am 22. März 1185 im Rahmen des Gempei-Krieges die Schlacht von Yashima statt.

Zum Abschluss des Tages bin ich dann noch ein wenig herumgelaufen. Dabei bin ich in einem Einkaufszentrum gelandet. In Japan ist es wohl üblich eine Art Arkade einzurichten. Dort befindet sich dann die gesamte Strasse entlang ein Ladengeschäft am anderen. Ich geschlagene 25 min in die Arkade hineingelufen und hatte immer noch nicht das Ende der Strasse erreicht. Daher bin ich wieder umgekehrt und zurück ins Hotel.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass ich anfange mich an die japanischen Toiletten zu gewöhnen. So eine Sitzheizung und eingebaute Popodusche sind schon was Feines.

________________________________________________________________________________________ 
arrow_oben

9.11.2007 – Osaka

Zunächst einmal sind wir heute Morgen auf das Festland (inwieweit man Honshu so nennen kann, denn eigentlich ist es ja auch eine Insel) zurück gefahren. Aber nicht mit dem Schiff, sondern über die Seto-o-hashi - die "große Brücke über das Binnenmeer". Sie wurde erst 1988 fertig gestellt, ist 9,4 km lang und es hat 10 Jahre gedauert, ehe sie fertig gestellt wurde.

Danach ging es nach Himeji, wo wir das Himeji-jo (das Schloss) besichtigten. Ein wahrer Traum. Es ist eines der ältesten erhaltenen Bauwerke aus dem 17. Jahrhundert. Die Burganlage, die aus 83 einzelnen Gebäuden besteht, gilt als schönstes Beispiel des japanischen Burgenbaus und hat den Beinamen Shirasagi-jō (Weißer Reiher), eine Anspielung auf die Außenmauern, die mit weißem Lehm verkleidet sind. Dadurch wurden die anfälligen Holzwände auch haltbarer gegen Angriffe und Umwelteinflüsse gemacht. Trotz ihrer architektonischen Schönheit, wie z. B. ihr spiralförmiger Grundriss, sind ihre Wehranlagen hoch entwickelt, so dass die Burg in ihrer Zeit als praktisch uneinnehmbar galt.

Die ersten Gebäude der Burg wurden zu Beginn der Muromachi-Zeit im Jahr 1346 erbaut. Als Architekt gilt Akamatsu Sadanori, der zuvor den Shomyoji-Tempel am Fuße des Berges Himeji gebaut hatte und an dessen Stelle nun die Burganlage entstand. Das Schloss steht damit erhöht auf dem 46 m hohem Hügel und trohnt über der Stadt. Das Schloss selbst ist noch einmal 45 m hoch und damit kaum zu übersehen. Das Besondere: es ist auf einem stabilen Steinfundament gebaut. Dieses Fundament hat bisher jedem Erdbeben standgehalten, obwohl das Schloss selbst wohl schon mal bei einem Beben zerstört wurde.

Die größte Erweiterung, die oft auch als eigentlicher Baubeginn Himeji-jōs bezeichnet wird, fand 1580 statt, als Toyotomi Hideyoshi die Burg übernahm und dreistöckige Burgtürme erbauen ließ. Nach der Schlacht von Sekigahara fiel die Burg an Tokugawa Ieyasu, der sie kurz danach Ikeda Terumasal ließ. Dieser erweiterte die Anlage innerhalb einer 8-jährigen Bauzeit von 1601 bis 1609 mit typischen Elementen aus der Momoyama-Zeit zu ihrer heutigen Form. Dabei errichtete er auch das fünfstöckige Hauptgebäude. Die letzte größere Erweiterung der Burg wird auf das Jahr 1618 datiert.

Mittagessen gab es in einem Lokal gleich gegenüber der Burg. Daher hatten wir einen wunderschönen Panoramablick auf das Schloss und haben zum ersten Mal ein "westliches Mittagessen" genossen. Gebeizter Lachs, Suppe, Rindfleisch und Gemüse und Pudding und es gab einen richtigen echten Kaffee! Die Reiseleiterin meinte auch, dass heute am Tisch viel mehr gesprochen und gelacht wurde, als bei unseren japanischen Mittagessen....

Und dann traten wir die lange Busfahrt nach Osaka an (ca 3 Stunden). Osaka ist riesig. Mit seinen 2,6 Mio Einwohnern ist es nach Tokio und Yokohama die drittgrößte Stadt Japans. Aber es unterscheidet sich (für mich jedenfalls) nicht wesentlich von Tokyo. Sie liegt im Westen der japanischen Hauptinsel Honshū an der Mündung des Flusses Yodo. Mit den ca. 17,5 Mio. Einwohnern im Ballungsgebiet Kansai (um Ōsaka, Kyōto und Kōbe) bildet Ōsaka eine der größten Städte der Welt und innerhalb Japans den Gegenpol zum Kantō-Gebiet um Tokio.

Die Stadt ist das traditionelle Handelszentrum Japans und heute eines der wichtigsten Industriezentren und einer der bedeutendsten Häfen Japans sowie Verwaltungssitz der Präfektur Osaka. Das alte Stadtzentrum von Osaka um Shisaibashi liegt im Süden, das nördliche Zentrum hat mehr Geschäftscharakter.

Die Einwohner Ōsakas sprechen einen japanischen Dialekt, der Ōsaka-ben genannt wird. Ōsaka ist zudem als „Küche Japans“ und für seine komödiantische Unterhaltungskunst (Manzai) bekannt.

Erste Station in Osaka.... Kuchu Teien Tenbodai..... ein riesiger Bürokomplex mit einer Aussichtsplattform (The floating garden). Dort sind wir natürlich hoch, um den wunderbaren Ausblick über die gesamte Stadt zu genießen. Von dort aus sieht man sogar das Schloss von Osaka, das ganz verloren zwischen tausenden von Hochhäusern steht.

Vom Hochhaus ging es dann ins Hotel und von dort aus sind wir losgezogen ins Vergnügungsviertel..... dazu kann ich nicht viel sagen, denn mir fehlen einfach die Worte für dieses "Chaos". Bars, Kneipen, Pachinko (Spielhallen), Karaoke.... alles auf einem Haufen. Es blinkt an allen Ecken und Enden und man wird mit Musik und Werbung dermaßen zugedröhnt, dass einem regelrecht der Kopf weh tut. Zum Glück verstehe ich nichts, sonst wäre es wohl noch schwerer zu ertragen.

Auf alle Fälle bin ich noch in ein Elektro-Kaufhaus gegangen! Ein Traum für jeden Technikfreak. Hier habe ich auch noch eine Speicherkarte für den Fotoapparat bekommen und bin jetzt glaub ich für den Rest des Urlaubs gerüstet (ich habe schon an die 500 Fotos gemacht!). Und fast hätte ich mir ein japanisches Handy gekauft. Die finde ich echt genial. Völlig anderes Design als deutsche Handys. Leider weiß ich nicht, wo der Kostenpunkt liegt (Handy ohne Vertrag sind auch in Japan teuer) und ob die Menüs auch in Englisch vorhanden sind. Und der Verkäufer... nun ja, die Sprachbarriere hat wieder zugeschlagen.

Morgen gehe ich ins Kloster. Das liegt oben in den Bergen (bei 900 m Höhe glaube ich) und da soll es wohl schon ziemlich kalt sein. Auch gut, so kann ich wenigstens mal die ganzen Pullis auspacken, die ich völlig umsonst bisher mit mir rumgeschleppt habe (denn wir haben 25 Grad hier!).

________________________________________________________________________________________ 
arrow_oben

10.11.2007 – Koya-San

Erwähnen möchte ich, dass ich am Samstag beim Frühstück das erste Mal Käse auf den Frühstücksbuffett gefunden habe. Ich dachte mir, da musst du sofort zuschlagen. Das tat ich auch. Leider musste ich feststellen, dass dieser "Camembert" zwar einem französischen Camembert fast ähnlich sieht, leider steht es mit dem Geschmack nicht so. Es fehlt jegliches Fett, Aroma und zuletzt habe ich mich sogar gefragt, ob dieser Käse überhaupt aus Kuhmilch hergestellt wurde! Japaner können ja angeblich Laktose nicht verdauen. Daher würde es mich nicht wundern, wenn sie den Käse aus irgendetwas anderem herstellen würden. Vielleicht aus Soja? Alle anderen Speisen haben jedenfalls irgendwie immer damit zu tun.....

Anschließend an das Frühstück starteten wir unsere Fahrt zum Koya-san. Der Koya-san ist eine Gruppe von Bergen in der Präfektur Wakayama südlich von Osaka. Das Gebiet wurde erstmals im Jahre 819 von dem Mönch Kukai besiedelt. Er ist insbesondere bekannt als Hauptquartier der Shingon-Sekte des japanischen Buddhismus. Die Bauwerke befinden sich in einer 800m hohen Senke zwischen den 8 Gipfeln, die zusammen als Kōya-san bezeichnet werden. Das ursprüngliche Kloster wuchs zu einer Stadt an, mit einer Universität für religiöse Studien und über 100 Tempeln, von denen viele Pilgern (aber auch normalen Touristen) Unterkunft bieten.

Auf dem Kōya-san befinden sich noch weitere berühmte Stätten: Okunoin, das Mausoleum von Kūkai, umgeben vom größten und bedeutendsten Friedhof Japans, Konpon Daitō, eine Pagode, die nach der Lehre des Shingon der Mittelpunkt eines Mandala ist, das nicht nur den Kōya-san, sondern ganz Japan bedeckt. Kongōbu-ji, Hauptquartier der Shingon-Sekte.

Beim Shingon-shū (wörtlich: Schule des wahren Wortes, gemeint ist: Schule des Mantra) ist die von Kūkai (774-835) – genannt Kōbō Daishi (Großmeister der Lehrverbreitung) – im Jahr 807 gegründete Schule des japanischen Buddhismus, nachdem er von Tennō Kammu in das Kaiserreich China gesandt worden war und einige Jahre dort studiert hatte. Diese Form des Buddhismus ist in Japan zusammen mit Tendai allgemein als Mikkyo bekannt, was „geheime Lehre“ oder „geheimer Buddhismus“ bedeutet. Man spricht daher auch vom „esoterischen Buddhismus“. Der Orden ist eine der wichtigsten Richtung des japanischen Buddhismus.

Aber auf dem Koya-San befinden sich insgesamt 117 Tempel. Das kommt daher, dass früher Politiker oder Samurai, wenn sie sich aus dem Dienst zurückzogen, oft Tempel bei einer Buddhistischen Schule gründeten.

Auf dem Berg angekommen, gingen wir erstmal auf der riesigen Friedhofsanlage Okunoin spazieren. Dort befinden sich über 20.000 Gräber und Gedenkstätten, die von den einzelnen Tempeln verwaltet und betreut werden. Darunter gibt es übergroße und klitzekleine Gräber und Gedenkstätten mit sagenhaften Grabsteinen. Eine Raketenfirma hat zum Beispiel als Gedenkstein eine Rakete (für die Firmenangestellten), Nissan hat ebenfalls so etwas. Die Kaffeeautomatenfirma schmückt ihre Gedenkstätte mit zwei riesigen Kaffeetassen.

Dazwischen findet man Kuppelgräber von Koreanern, Priestergräber und an einer Stelle sogar ein Sammelgrab. Dabei wird eine kleine Statuette pro Grab aufgestellt, wenn die Gräber nach 50 oder mehr Jahren abgeräumt werden.

Am Ende des Friedhofs kommt man dann am Mausoleum von Kukai an. Davor stehen viele buddhistische Götterfiguren, denen die Pilger huldigen. Sie spenden einen Betrag X und spritzen anschließend die Figuren mit Wasser nass.... das ist jedenfalls das, was ich beobachtet habe.

Dahinter ist also das Mausoleum, in dem der Kobodaishi begraben liegt und dort wird von den zahllosen Pilgern kräftig und aus lauter Kehle gebetet.

Nach Friedhof und Mausoleum besuchten wir noch das ehemalige Verwaltungsgebäude Kongobu-ji. Sehenswert schon von außen, da sich auf dem Dach große Wasserbehälter befinden. Die sollen das Gebäude symbolisch vor Feuer schützen. In den Räumen kann man die Wandmalereien bewundern und eine Teestube besuchen.

Der Pilgergang zur Pagode durfte natürlich auch nicht fehlen. Diese Pagode ist nach der Lehre des Shingon der Mittelpunkt eines Mandala, das nicht nur den Kōya-san, sondern ganz Japan bedeckt. Davor steht eine Kiefer. Dieser Baum ist heilig. Kiefern haben ja bekanntlich zwei Nadeln pro Ansatz. Nun ja, die Kiefer vor die Pagode auf dem Koya hat drei Nadeln pro Ansatz! Kein Wunder, dass tausende Pilger um den Baum herum stehen und versuchen solch ein Trio zu erhaschen und mit nach Hause zu nehmen.

Wie bereits erwähnt, man kann in den vielen Klöstern hier nicht nur als Pilger sondern auch als Tourist übernachten. Wir fuhren daher zu genau einer solchen Herberge. Wider Erwarten bekam ich sogar ein Einzelzimmer. Das lag wohl daran, dass in dieser Nacht nur die Mitglieder unserer Reisegruppe dort übernachteten. Allerdings ist diese Herberge nun typisch japanisch und klösterlich. Das heißt zunächst.... Schuhe aus. Es wird nur in Pantoffeln durchs Haus gezogen und als erstes muss man die europäische Straßenkleidung ablegen und in eine Yukata schlüpfen. Die sind natürlich Einheitsgröße und für mich viel zu groß. Zu meinem Unglück wickelte ich das gute Stück auch noch falsch herum und man sagte mir, dass ich dadurch nun für eine Totenwache angezogen sei......

In der Herberge war es ziemlich feucht und muffig. Das einzige Möbel im Zimmer war ein 20 cm hoher Tisch mit Heizdecke unter den man seine Beine strecken kann, wenn man daran sitzt. Geschlafen wird auf einem Futon und einem Kopfkissen gefüllt mit Schalen von Buchweizen. Das Ganze liegt auf den Tatamis also quasi auf dem Boden.

Bevor wir aber zu Bett gingen, gab es ein gemeinsames Abendessen (natürlich wie im Kloster üblich vegetarisch), aber das war ganz gut. Jedenfalls habe ich fast alles gegessen. Da dann alle sich schon in die Zimmer zurück gezogen haben, ich aber in dieses kalte Bett nicht gehen wollte, habe ich mich mit Stephan aus der Gruppe bis ca halb zwölf über Gott und die Welt unterhalten.

Anschließend habe ich mich doch ins Bett gequält, habe aber schrecklich geschlafen.Und ich musste in dieser Herberge feststellen, dass auch die Japaner Plumpsklos haben! Auf japanisch halt.... ich glaub, das ist noch ne Spur schärfer als deutsche Plumpsklos.....

________________________________________________________________________________________ 
arrow_oben

11.11.2007 – Nara

Wie in einem Kloster üblich, wurde ich gegen sechs Uhr geweckt.... nein, nicht von einem Hahn, sondern von einem Gong (!), der bestimmt fünf Minuten lang über den Hof hallte. Das hieß: "Aufstehen, kaltes Wasser, waschen, anziehen und ab zur Gebetsstunde".Wir kamen also tatsächlich in den Genuss einer buddhistischen Gebetsstunde. Zunächst hinknien (übrigens auch beim Essen. Das tut mit der Zeit ganz schön in den Gelenken weh! Generell gibt es in solchen Klostern oder Tempeln keine Stühle) und dann lasen ein Abt und ein Mönch Sutras vor.... oder so was. Das hört sich für unsere Ohren eher wie ein monotones Singen an. Am Ende durften wir dann den Mönchen noch Fragen über ihren Glauben, das Kloster und ihr Leben im Kloster stellen.

Anschließend gab es ein Frühstück... wie das Abendessen zuvor auch vegetarisch.... Reis, Noriblätter, Tofu, eingelegtes Gemüse, eingelegte Pflaumen (in Essig und Salz eingelegt.... ist besonders eklig!) und lauter solche Speisen. Quasi zum abgewöhnen. Vor allem morgens halb sieben!

Gleich nach dem Frühstück ging es auch schon weiter. Der frühe Aufbruch lag auch daran, dass unsere Zimmer bei der Rückkehr vom Frühstück schon fast wieder geräumt waren. Die Laken waren schon abgezogen und die Yukatas schon weggeräumt. Also ab, die Schuhe schnell noch angezogen und gleich den nächsten Kälteschock abgefangen... die Schuhe standen nämlich die ganze Nacht draußen (es gibt keine verschließbare Haustüre!) und ab in den Bus.... da kam dann der Wärmeschock...... und die Serpentinen und das Frühstück und schon wurde mir schlecht.

Nach einer Stunde fuhren wir auf einen Rastplatz. Da gab es dann erstmal einen echten Kaffee und eine Leckerei aus Süßkartoffeln (schmeckt fast wie Marzipan) und dann ging es weiter nach Nara.

Erste Station der Horyuji-Tempel. Es kam mir vor wie der 100ste, den wir anschauen. Aber dieser hier hat doch etwas Besonderes.

Horyu-ji  bedeutet zu deutsch „Tempel der Lehre Buddhas. Es ist ein buddhistischer Tempel und innerhalb dieser Anlage befinden sich die ältesten erhaltenen Holzgebäude der Welt. Außerdem enthält sie viele japanische Nationalschätze und Kulturgüter. Die Geschichte des Hōryūji beginnt in der Asuka-Zeit etwa um 600 n. Chr., als der erkrankte Kaiser Yomei das Gelübde ablegte, zum Dank für seine Gesundung einen Tempel und ein Buddhastandbild zu errichten. Dieses Gelübde konnte er aber nicht mehr einhalten, da er starb, kurz nachdem er genesen war. Sein Wunsch wurde so von seinem Sohn, dem Kronprinz Shotoku, und der Kaiserin Suiko erfüllt, die im Jahre 607 den Tempel und die Statue errichteten. Der Tempel wurde Hōryūji oder auch Ikarugaji – nach seinem Standort auf dem Gelände des alten Ikaruga-Palastes – genannt. Bald darauf, im Jahre 670, wütete ein Feuer auf dem Tempelgelände, von dem das Nihonshoki (die japanische Geschichte) berichtet, dass es „nicht ein einziges Gebäude“ verschont hätte. Diese Tatsache wird allerdings von Historikern als sehr zweifelhaft beurteilt, da nachgewiesen werden kann, dass der Tempel nach seiner Errichtung über 400 Jahre eine Glanzzeit großer Traditionseinhaltung erlebte.

In der Gebetshalle sind viele buddhistische Figuren zu sehen. Daneben eine 5stoeckige Pagode. Insgesamt gehören 55 Gebäude zur Tempelanlage. Der Stil der Anlage ist recht gemischt. Kenner erkennen sowohl chinesische, persische und sogar griechische Elemente.... wie gesagt, die Kenner....

Die Haupthalle (kondō, wörtlich „Goldene Halle“) wurde in der Asuka-Zeit (Mitte 6. bis Anfang 8. Jahrhundert) erbaut. Hier befinden sich die zentralen Heiligtümer, denen der Tempel geweiht ist, unter anderem eine Shakyamuni - Dreiergruppe, die vom berühmten Bildhauer Tori geschaffen wurde und den historischen Buddha und seine Begleiter Monju Bosatsu und Fugen Bosatsu darstellt. Diese Dreiergruppe wird von zwei weiteren Statuen flankiert: im Westen von einer Bronzestatue aus der  Kamakura - Zeit, die einen sitzenden Amitabha Nyorai (Buddha des Reinen Landes) darstellt; und im Osten von einem sitzenden Yakushi Nyorai (Buddha der Heilung). Diese Statuen werden von einer Gruppe der vier himmlischen Wächter aus der Hakuho – Zeit (spätes 7. bis Anfang 8. Jahrhundert) geschützt, die die älteste Gruppe dieser Art in Japan darstellt. Die Wächter (shitennō) sind aus Kampferholz geschnitzt und stehen auf besiegten bösen Geistern.

Daneben steht eine fünfstöckige Pagode. Sie wurde ebenfalls in der Asuka - Zeit erbaut und hat eine Höhe von 31,5 Metern. Sie ist das Zentralheiligtum des Tempels und ist die älteste fünfstöckige Pagode in Japan. Im Erdgeschoss werden Tonstatuen aus der Nara - Zeit ausgestellt. Die Große (Vortrags-)Halle stammt aus der Heian - Zeit (spätes 8. bis spätes 12. Jahrhundert) und diente ursprünglich den Mönchen zum Studium und zur Abhaltung von Gedenkfeiern. Die Halle wurde 925 von einem Blitz getroffen und brannte ab. Die heutige Halle wurde 990 neu erbaut.

Das Innere Heiligtum (kami no midō) soll schon im 8. Jahrhundert erbaut worden sein, Historiker konnten jedoch beweisen, dass es erst in der Kamakura - Zeit im 12. bis 14. Jahrhundert errichtet wurde. Im Inneren befindet sich eine weitere Shakyamuni - Dreiergruppe aus der Heian - Zeit, die von vier Wächtern aus der Muromachi - Zeit beschützt wird.

Die westliche Rundhalle wurde Überlieferungen zufolge von Gyoki Bosatsu im 8. Jahrhundert erbaut. Forschungen haben jedoch ergeben, dass das heutige Gebäude in der Kamakura - Zeit erbaut wurde. Es beherbergt eine sitzende Trockenlack -Statue des Yakushi Nyorai. Diese Figur aus der Nara - Zeit ist die älteste ihrer Art in Japan.  Im westlichen Bezirk befinden sich außerdem noch das Glockenhaus ( shōryō) und die Halle von Prinz Shotokus Seele (shōryōin), die den Mönchen früher als Unterkunft diente. Im Inneren steht ein Standbild des Prinzen Shōtoku.

Im östlichen Bezirk befindet sich noch ein spezielles Gebäude – die Halle der Visionen. Dieser als Traumhalle (yume dono) bekannte achteckige Pavillon wurde zur Erinnerung an Prinz Shōtoku erbaut und ist das Herz des Östlichen Bezirks. Hier wird eine lebensgroße Statue von Prinz Shōtoku aufbewahrt, die sogenannte Kuse-Kannon aus der Asuka - Zeit. Sie befindet sich in einem Schrein und ist deshalb bis zum heutigen Tag in einem perfekten Zustand. Sogar die ursprüngliche Vergoldung ist erhalten geblieben. Die Statue ist von anderen Statuen umgeben, so etwa von einer Statue, die den Erbauer des Westlichen Bezirks darstellt. Die Halle der Visionen ist von einer Galerie umgeben. Daneben gibt es auch noch die Halle der buddhistischen Lehren. (Das Gelände ist wirklich unglaublich groß und man könnte hier den ganzen Tag verbringen). Früher war diese Halle (denpōdō) die Residenz von Tachibana no Konakachi, der Gattin Kaiser Shomus. Als aber der Östliche Bezirk erbaut wurde, wurde sie in eine buddhistische Halle umfunktioniert. So ist ein Exemplar alter japanischer Wohnarchitektur erhalten geblieben.

Nach all den Gebäuden besichtigten wir noch die sogenannte Reliquiar-Halle (shariden), wo die Reliquien des Buddhas aufbewahrt werden, der dem zweijährigen Prinzen aus den Handflächen entsprang, als er seine Hände zum Gebet zusammenlegte, und die Halle der Malereien (eden)

Gebaut wurde also die gesamte Anlage von Prinz Shotokan, der in der Halle der Visionen (bekannt weil sie erstmals in Japan ein 8eckiges Dach hatte und mystisch (???) sein soll) erleucht worden sein soll.

Die zweite Station dieses Tages war .... noch ein Tempel, nämlich der Todai-ji (wörtlich: östlicher großer Tempel). Das ist ein buddhistischer Tempel direkt in der Stadt Nara. Er beherbergt die größte buddhistische Bronzestatue und es ist das größte, rein aus Holz gebaute Gebäude der Welt.

Die Statue des Großen Buddha stellt Buddha Vairocana dar. Sie befindet sich in der größten Halle des Tōdai-ji (Daibutsuden), welche 1708 neu aufgebaut wurde, ursprünglich aber noch um ein Drittel größer gewesen sein soll. Die aus Bronze gegossene Figur ist alleine 16,2 m hoch, 452 t schwer, und mit Sockel 30 m hoch (alleine ein Ohr ist 3 m lang). In der Tempelanlage befindet sich auch ein Schrein der Shintō-Gottheit Hachiman, der in der Nara - Zeit (710–794) zum Schutzgott des Großen Buddha erklärt wurde. Bemerkenswert ist auch das Eingangstor (25 m hoch) (Nandaimon) aus dem Jahr 1199, mit den beiden rund 8,5 m hohen Wächterstatuen (Niô). Die Statuen sind ganz aus Holz geschnitzt und sind so genial verarbeitet, dass sie oft als Vorbild für viele andere Tempelwächterfiguren genutzt wurden.

Der Originaltempel wurde bereits 752 fertig gestellt und verschlang beim Bau 1/5 des damaligen Landesvermögens. Der Tempel wurde mehrmals zerstört, weil er den regierenden Adelsfamilien zuviel Macht wegnahm. Daher wurde der Tempel mehrmals angezündet.

Der Tempel wurde im Auftrag von Kaiser Shomu erbaut. Kaiser Shōmu war vom Wunsch beseelt, über ein Königreich zu herrschen, das nach dem Prinzip der Harmonie und dem buddhistischen Gesetz regiert wurde. Eine verheerende Pockenepidemie von 735-737 veranlasste Shōmu, in jeder Provinz staatliche Klöster und Konvente mit großen Buddha-Bildern zu errichten. 741 gab der Kaiser einen Erlass heraus, der die Errichtung eines landesweiten Netzwerks von provinzialen Klöstern vorsah, wobei der Tōdai-ji der Haupttempel dieser Kokubun-ji war. Er und die anderen Klöster sollten dem Staat und der Bevölkerung Wohlstand und vor allem Schutz vor Unglücken, wie Erdbeben, Feuersbrünsten und Missernten bringen.

Der große Buddha, der zentralen Figur des Tempels, überstieg die Kräfte des Landes. Der über 15 Meter große meditierende Vairocana (Kosmischer Buddha) besteht aus 450 t Kupfer; 50000 Zimmerleute und 37000 Metallschmiede wurden zu seinem Bau benötigt. Hügel mussten für den Standort eingeebnet werden, und das hölzerne Gebäude, welches um ihn herum errichtet wurde, dominierte meilenweit die Landschaft. Eine derartige Zurschaustellung buddhistischer Macht lag ganz in des Kaisers Absicht. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, die Statue aus einem Guss zu erstellen, gelang es schließlich dem koreanischen Kunstschmied Kuninaka Kimimaro († 775), die Figur aus gesondert gegossenen Teilstücken zu erbauen. Neben den technischen Schwierigkeiten machte sich noch der Materialmangel empfindlich bemerkbar. Schwierigkeiten religiös-politischer Art kamen hinzu. Eine Bereinigung des Verhältnisses Shinto und Buddhismus wurden dringend. Einer Legende aus dem 14. Jahrhundert im Genkō Sakusho zufolge soll der Priester Gyogi (668–749) auf Geheiß des Kaisers eine Reliquie zum Daijingu in Ise gebracht haben, wo er nach sieben Tagen den Orakelspruch erhalten haben soll, dass Vairocana (jap. Dainichi = große Sonne) und die Sonnengöttin Amaterasu wesensgleich seien. Wer also dem Buddha diene, diene auch der japanischen Stammgöttin. Im Jahre 749 n. Chr. wurde in Japan Gold entdeckt. „Als wir davon hörten,“ erzählte Shōmu, „waren wir erstaunt und hoch erfreut.“ Er interpretierte den Fund als günstiges Omen. Nun konnte er das Monument mit einheimischem Metall vergolden lassen. 749 wurde die Statue vollendet. Die Augenöffnungszemonie 752 wurde vom ersten Abt des Tempels Roben geleitet, es sollen über 10000 Gäste, viele auch vom Ausland angereist, teilgenommen haben. Außer der Kegon wurden noch vier andere buddhistische Schulen aufgefordert, den Tōdaiji ebenfalls als Sitz zu verwenden. Diese fünf wurden damit die ersten der sechs Schulen von Nara. Die letzte der Schulen, Ritsu, war ebenfalls ein kluger Schachzug Shōmus. Er lud den Mönch Ganjin aus China ein, der das vinaya (jap.: Ritsu) brachte. Diese dem Hinayana zugerechnete Gruppe beschäftigt sich mit den Mönchsregeln. Dem Ritsu wurden, ebenfalls im Tōdaiji, sämtliche offiziellen Ordinationen überantwortet. Auch Shōmu ließ sich ein zweites Mal ordinieren; die Rechtmäßigkeit einer Ordination war für Buddhisten immer wichtigstes Anliegen. Der Machtanstieg, den das buddhistische Etablissement durch all diese politischen Maßnahmen errang, führte mit dazu, dass nach 760 der Mönch Dokyo, als Geliebter der Kaiserin Shotoku, von ihr zum Dharma-Herrscher ernannt, übermäßigen politischen Einfluss errang. Die folgende Rückbesinnung des Kaiserhauses auf sich selbst führte zum Ende der Nara - Zeit. Den Nara - Schulen, wurde kein Zugang zur neuen Hauptstadt Heian-kyo gewährt. Der Tempel ist heute noch der Haupttempel der Kegon-Sekte.

Am Tempel selbst, unter einem Vordach gibt es eine Art Fenster. Es wird jedes Jahr zum Neujahrstag geöffnet, damit die Menschenmenge, den Buddha auch von außen sieht.

Rechts neben dem Eingang zur Haupthalle befindet sich eine verwitterte Holzstatue des Arhat Pindola-Bhāradvāja aus dem 18. Jahrhundert. Pindola war einer der 16 Arhats, soll sich aber mit Zauberei befasst haben und muss daher außen vor dem Tempel bleiben. Wenn man einen Körperteil der Statue berührt und danach den entsprechenden eigenen Körperteil reibt, sollen Krankheiten in diesem Körperteil geheilt werden.

Die einzelnen Körperteile des Riesenbuddha sind heute  zum Teil aus unterschiedlichen Perioden, je nachdem, wie weit er bei den Brandstiftungen des Adels zerstört wurde. Auf seiner flachen Hand könnten theoretisch 15 Personen stehen (aber nur Japaner!). Goldene Fischschwänze auf dem Dach des Tempels sollen vor Feuer schützen.

Danach sind wir noch zu einem Nebengebäude gelaufen von wo aus wir einen super Ausblick über die gesamte Anlage hatten.

Dritte Station des Tages, aber bereits bei Dämmerlicht war zwar kein Tempel, dafür aber ein Schrein. Und zwar der Kasuga - Taisha Schrein. Der ist so bekannt, weil es in der gesamten Anlage über 3000 Stein- und Hängelaternen gibt. Der Kasuga-Taisha liegt am Fuße der beiden heiligen Berge Kasugayama und Mikasayama. Der Hauptschrein befand sich ursprünglich auf dem Berg Mikasa, wurde dann aber in zwei Schritten an seinen Fuß verlegt. Der zurückgebliebene Hongū-jinja gilt nun als Nebenschrein (sessha) des jüngeren Hauptschreins.

Der Legende nach wurde der Kasuga-Taisha im Jahr 768 erbaut, doch man schätzt, dass er zur Beginn der Nara - Zeit errichtet wurde. Er galt als der Schrein der Familie Fujiwara. Im Rahmen des Shintō-buddhistischen Synkretismus der Haian - Zeit wurde der naheliegende buddhistische Tempel Kōfuku-ji in den Schrein integriert. Die Priesterschaft war bis zur Meiji-Restauration erblich gewesen. Alle Gebäude sind im Verlauf der Geschichte bisher zerstört und wiederaufgebaut worden, die vier honden (Haupthallen) sogar bis 1863 alle 30 Jahre komplett. Zu den vier Haupt-Kami gehört Ame-no-koyane, angeblich wie die anderen Kami hier einer der Vorfahren der Fujiwara.

Auf dem Gelände des Kasuga-Taisha befinden sich eine große Anzahl von Nebenschreinen für eine noch größere Anzahl von Kami. Der bekannteste ist wohl der Wakamiya-jinja (1135 neu gegründet, der letzte Neubau stammt aus dem Jahr 1863 und ist mit den honden identisch), dessen Kami an manchen Tagen in verschiedene, nur temporär aufgebaute Schreine an anderen Orten reist (shinkō-shiki). Er ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Schrein in Miyazu, Präfektur Kyōto.

Man stelle sich nunmehr vor, am 15.8. zum Feuerfest werden alle, oder zumindest ein Grossteil der 3000 Laternen, erleuchtet. Das ist sicherlich ein tolles Spektakel.

Vor dem Schrein selbst befindet sich ein eingezäunter Stein (oder eine Wurzel?). Die Gottheiten aller Shintoschreine verlassen jedes Jahr im September ihre Heimat um nach Takamatsu zu reisen. Dort treffen sie sich alle. Nach diesem Treffen kehren sie in ihren jeweiligen Schrein zurück. Natürlich brauchen sie einen Landeplatz, wenn sie vom Himmel herabsteigen. Und bei diesem Schrein befindet er sich also vor dem Gebetshaus. Damit die Besucher nicht versehentlich auf den Stein treten, wurde er kurzerhand eingezäunt.

In ganz Nara sieht man überall Rehe und Hirsche (sie sind shintoistische heilige Tiere)... natürlich der Jux für Touristen, die sie alle füttern müssen. Ursprünglich wurde in dem Wald um Nara ein weißes Reh gefunden und an dieser Stelle dann der Kasuga - Taisha Schrein erbaut.... hey Moment mal, in Oberlungwitz gibt es auch ein weißes Reh. Kriegen wir dann jetzt auch so einen Schrein?

Nach so vielen Tempel- und Schreingebäuden  war es auch schon 5 Uhr und wir fuhren nun nach Kyoto. Auf der Fahrt schauten wir Sumo (das neue Turnier (Kyushu Basho) hat heute angefangen, und ich musste die Kämpfe im Bus kommentieren.

Zu Hause freue ich mich auf ein Schnitzel und Nudeln. Mittlerweile bin ich vom japanischen Essen geheilt.

________________________________________________________________________________________
arrow_oben

12.11.2007 – Kyoto

Wir sind heute in dieser kulturträchtigen Stadt geblieben. Kein Wunder, denn hier gibt es ja auch tausende Sachen zu sehen. 1/3 des gesamten japanischen Kulturschatzes ist hier zu finden. Dazu noch über 1600 buddhistische Tempel und 260 Shintoschreine. Schließlich war Kyoto auch fast ein Jahrtausend die Hauptstadt von Japan, bevor unter Kaiser Meiji Tokio diesen Status erhielt.

Zunächst fuhren wir zum Ryuanji Tempel. Übersetzt heißt das soviel wie "Der Tempel des zur Ruhe gekommenen Drachen". Dabei handelt es sich um einen 1499 Meditationstempel (Zen-Tempel). Davor befindet sich der berühmte Steingarten.

Erbaut wurde er 1450 von Hosokawa Katsumoto, einem hohen Staatsbeamten der  Muromachi-Zeit, auf einem Grundstück, das ursprünglich der Fujiwara - Familie als Landsitz diente. Der Tempel gehört zur größten Schule des Rinzai-Zen mit dem Muttertempel Myoshin-ji.

Hauptattraktion des Tempels ist der hier befindliche und wohl berühmteste Zen-Garten Japans, der Hojo-Teien im Kare-san-sui-Stil aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Der Garten besteht aus einer Fläche (30 mal 10 Meter) aus fein gerechtem Kies mit 15 scheinbar zufällig platzierten Steinen in 5 bemoosten Gruppen. Die Anlage hat keinen Teich und keine Pflanzen. Der Garten wird nur durch Steine gestaltet. Der Kies symbolisiert das Meer, die Steine die Inseln. In diesem Garten kann man von der Meditations- Terrasse aus die 15 Steine sehen (die Zahl 15 bedeutet Vollkommenheit). Nun ist der Garten aber so angelegt, dass man von jedem Blickwinkel aus maximal 14 Steine erblicken kann. Es gibt nur eine Stelle auf der Terrasse, von der aus man alle 15 sieht und wenn man diese Stelle findet, dann ist man quasi vollkommen.

Die südliche und westliche Seite des Gartens ist von einer rötlichen Mauer gesäumt, über welcher der Blick auf die Bäume und Sträucher des begehbaren Gartens fällt. Auf der nördlichen Seite befindet sich das Tempelgebäude mit der Sitzterrasse, von der aus man den Steingarten überschaut. Die umgebende Mauer ist mit ölgetränktem Mörtel erbaut worden. Im Laufe der Jahrhunderte ist das Öl aus dem Stein ausgetreten und hat so das charakteristische Muster auf dem Stein hinterlassen.

Hinter dem Tempel gibt es noch einen kleinen symbolischen Brunnen. Dieser trägt Schriftzeichen, die bedeuten: "ich weiß, dass ich immer zufrieden bin".

Von meinem Hotelzimmer aus habe ich den Blick direkt auf den Daimonjiyama "der große Berg". Dieser Berg besitzt eine Lichtung, die in Form des Schriftzeichens "groß" hat. Am Fuße dieses Berges lag unser nächstes Ziel......nämlich das mit Abstand schönste Gebäude, welches ich je in meinem Leben gesehen habe. DER GOLDENE PAVILLION. Sein eigentlicher Name lautet Rukuon-ji (Rehgarten-Tempel).

Die Gebäude auf dem Tempelgelände wurden im Jahr 1397 errichtet und dienten ursprünglich als Altersresidenz für den Shogun Ashikaga Yoshimitsu. Dessen Sohn wandelte sie in einen Zen-Tempel der Rinzai-Schule um.

Der Tempel wurde während der Onin-Kriege (1467–1477) mehrfach niedergebrannt, was der Pavillon überstand.

1950 fiel der Pavillon der Brandstiftung eines neidischen buddhistischen Mönchs zum Opfer, der soviel Schönheit nicht ertragen konnte. Dieses Ereignis wurde vom Schriftsteller Mishima Yukio 1956 in seinem Buch Kinkakuji (deutsch: Der Tempelbrand, 1961) festgehalten.

1955 wurde der Pavillon nach den Originalplänen wieder aufgebaut. 1987 wurde er restauriert. Das gesamte Gebäude ist von insgesamt 20 kg Blattgold überzogen. Das Gold würde aber nicht so glänzen, wenn sich darunter nicht die 60 Lackschichten befinden würden. Davon sind die letzten Schichten schwarz, wodurch das Gold erstrahlt. Insgesamt wurden 1,5 Tonnen Lack für den Pavillon verwendet. Auf dem Dach thront ein Phoenix (als Glücksbringer). Der wurde sogar 5 mal mit Gold überzogen, damit er so strahlt. Die Kosten der Restauration betrugen 1987 7 Millionen Euro.

Die Eintrittskarte des Pavillons ist übrigens ein Glücksbringer für Familienfrieden. Das bedeutet, man sollte diese Eintrittskarte aufheben und zu Hause aufhängen.

Man kann sich am Pavillon selbst einfach nicht satt sehen.

Doch leider mussten wir weiter. Zum Nijo-jo (das Nijo-Schloss).

Dabei handelt es sich um die Audienzhalle der Shogune von Kyoto. Die Burg erhielt den Namen wegen der Straße Nijō, an der sie gelegen ist. Die Anlage wurde 1601 vom Shōgun Tokugawa Ieyasu angelegt. Teile davon brannten 1788 und 1791 jedoch wieder ab, da die Anlage hauptsächlich aus Holz gebaut war.

Alle Zimmer sind mit Wandgemälden der Gebrüder Kano (Begründer der Kano-Schule) verziert. Zum Teil befinden sich Puppen in den Räumen, um eine Audienz nachzustellen. Um den gesamten Komplex führt ein Korridor, der Nachtigallenkorridor. Dieser erhielt seinen Namen, weil man nicht lautlos auf ihm laufen kann. Nägel reiben aneinander und verursachen ein Quietschen, das wie das Tschilpen der Nachtigall klingen soll (mit viel Fantasie hört man die Nachtigallen). Der Korridor wurde auf diese Art und Weise gebaut, damit keine Eindringlinge nachts den Gang entlang schleichen konnten um womöglich den Shogun zu töten. Eine Art antike Alarmanlage also. Der Korridor ist 450 m lang.

1868, zu Beginn der Meiji-Restauration, gab in diesem Schloss der Shogun seine Macht an den Kaiser zurück. Das Haus fiel damit der Kaiserfamilie zu.

Nach einem reichhaltigen Mittagessen (es gab Hühnchen) fuhren wir zu einer Marktstrasse. Ein Paradies für Köche. Man findet hier einfach alles: Gemüse, Fisch, Fleisch, Gewürze, Süßes..... nur kein Brot (weil so was kennen die Japaner offensichtlich nicht). Aber alle Waren sind fein säuberlich auf den Auslagen sortiert. Die Fische in Fächer gelegt. Alles fein säuberlich in Plastik eingepackt. Keine Ware liegt durcheinander.

Aber ein paar komische Sachen hatten die Stände auch zu bieten. Die Gewürze sind ja schon komisch. Aber ein totales Highlight waren die Spatzen am Spies! Die Japaner essen tatsächlich gegrillte Spatzen! Und dann lagen da noch Holzstücke in einem Fischladen. Das waren getrocknete Bonito (Es ist kein Holz, sondern ein Fisch). Die Fische sind getrocknet, werden dann geraspelt und in der Miso-Suppe gekocht (ich bin immer noch kein Freund dieser Suppe geworden).

Aber leckere Naschereien habe ich gekauft. So eine Art Zimtstangen und danach hatte ich sofort wahnsinnig Appetit auf Glühwein. Dazu war es heute noch verregnet und frisch, das machte noch mehr Appetit.

Weiter ging es in den sanjusan-gendo (den 33 Gen Tempel). Gen ist eine alte Maßeinheit in Japan. Der Tempel ist also 33 Gen lang, circa 108 m. Der Tempel ist nach Osten ausgerichtet und zweigeteilt. In der Mitte sitzt eine 3 m große Botisatwa Figur. Rechts und links von ihr jeweils 500 weitere, circa 160 cm große Botisatwa Figuren. Allesamt aus Holz und vergoldet. Das macht insgesamt 1001 Figur. Die mittlere Figur heißt die tausendarmige Kannon, 1254 geschnitzt vom Bildhauer Tankei. Übrigens muss eine tausendarmige Kannon nicht tausend Arme haben. Eigentlich hat sie nicht mehr als 40 Arme, da nach buddhistischem Glauben ein rm im Stande ist 25 Welten zu retten.

Die Gottheiten werden von 28 Tempelwächtern beschützt. Die stärksten unter den Wächtern sind die berühmten Figuren, die den Gott des Donners (im Norden) und den Gott des Windes (im Süden) darstellen. Jeder Wächter hat übrigens einen anderen Gesichtsausdruck.

Der Tempel wurde jeden Morgen vorn, über die 108 m lange Front, geöffnet. Durch die Morgensonne strahlten die Figuren in den Hof. Dort saßen dann die Adeligen und beteten zu der Gottheit in der Mitte, sie sollen doch die Seelen nach dem Tod in den Himmel führen.

Es folgte noch ein kurzer Abstecher in den Bahnhof von Kyoto und dann zurück ins Hotel.Ich habe mich heute mal auf die Glucksbringer gestürzt. Einen für die "Liebe" habe ich erstanden und noch einen für florierende Geschäfte.

Dann habe ich beim goldenen Pavillon Sake gekauft. Daher ist in dem Sake auch Blattgold drin. Der Verkäufer meinte, das wäre gut gegen Krebs....... naja wer`s glaubt. Ich fand es einfach ein schickes Mitbringsel.

Im Hotel habe ich etwas super tolles entdeckt. Eine Plüschweste. Ich könnte die glatt von der Stange kaufen. Leider hat sie den stattlichen Preis von 33600 Yen. Soviel wollte ich ja nun nicht gerade ausgeben. Wir gehen nämlich morgen noch in andere Geschäfte und dort wollte ich mir einen Kimono kaufen. Also hängt sicherlich der Kauf der Weste davon ab, wie viel Geld ich für einen Kimono ausgebe. Außerdem muss ich den ganzen Krempel ja auch wieder mit nach Deutschland schleifen und mein Koffer hatte bei der Anreise schon 16 kg!

________________________________________________________________________________________ 
arrow_oben

13.11.2007 – Kyoto

Heute Morgen haben wir erst einmal gelernt zu meditieren. Aber nicht in irgendeinem Tempel, sondern im wichtigsten Tempel der Rinzai-Schule (Zen-Buddhismus) - im Myoshin-ji.

Dort gibt es neben der 650 Jahre alten Meditationshalle auch noch das 1380 erbaute Eingangstor zu sehen. Aber dafür blieb nur die Zeit ein Foto zu schießen.Wir wurden zunächst von einem Mönch in die Meditationshalle geführt. Da war es ziemlich dunkel drin und auf stuhlhohen Podesten lagen Tatamis und zwei Kissen. Bei der Meditation gibt es 5 Stufen, die man nach und nach abarbeiten muss um die Erleuchtung zu erlangen:

  1. Die richtige Sitzhaltung
  2. Die richtige Handhaltung
  3. Die richtige Atmung
  4. Das Bewusstsein der Gefühle
  5. Das Befreien oder Steuern von Gefühlen

Der Mönch fing also an uns alle in den Schneidersitz setzten zu wollen. Aber nicht den normalen, wie wir ihn alle kennen, sondern der Span des einen Fußes soll auf dem Oberschenkel des jeweils anderen Beines ruhen. Das sei wichtig um einerseits gerade zu sitzen und andererseits sich nicht zu bewegen. Damit fing schon das Problem an. Er sah ein, dass er wohl der einzige im Raum war, der so gelenkig war und sich so setzen konnte.

Daher durften wir uns gerade wie auf einen Stuhl setzen. Wichtig ist nur, dass die Knie circa 10 cm tiefer sind als der Steiß.

Die Handhaltung war einfach nachzuvollziehen, aber zu kompliziert jetzt hier zu beschreiben. Sagen wir einfach, wir verschränkten locker die Hände ineinander.Dann die Atmung. Ziel ist langsames Aus- und schnelles Einatmen. Im Zyklus 18 zu 2 Sekunden. Also 18 Sekunden aus- und 2 Sekunden einatmen. Dabei den Oberkörper nicht bewegen. Zwerchfellatmung.... die Musiker unter den Lesern werden das kennen.Bis hierher konnten alle Teilnehmer der Meditation noch folgen.

Danach wird die Sache richtig kompliziert. Man soll sich danach quasi nur auf die Atmung konzentrieren, so dass einem Nebengeräusche nicht mehr ablenken. Dann wird man sich seiner Gefühle bewusst. Und die Stufe danach ist dann, diese Gefühle bewusst zu steuern.... so habe ich das jedenfalls verstanden. Allerdings war die Übersetzung der Reiseleitung etwas schwer verständlich.

Naja... wir werden an uns arbeiten um zur Erleuchtung zu gelangen.Die Meditation dauerte etwas länger als geplant und so fuhren wir mit etwas Verspätung zum Kyomizu Tempel (das bedeutet "Reines Wasser").

Die Geschichte des Tempels reicht bis ins Jahr 798 zurück, die heutigen Gebäude wurden allerdings im Jahr 1633 errichtet. Der Tempel erhielt seinen Namen vom Wasserfall innerhalb des Tempelkomplexes, der von den nahen Hügeln herunterkommt. Die Haupthalle des Kiyomizu-dera ist für ihre weite Terrasse bekannt, die zusammen mit der Haupthalle auf einer hölzernen Balkenkonstruktion an einem steilen Berghang errichtet wurde. Die Terrasse bietet eine beeindruckende Sicht auf die Stadt. Der Tempel hat die umliegenden Grundstücke aufgekauft, um so die Errichtung von Hochhäusern zu verhindern.

Die japanische Redewendung „die Terrasse des Kiyomizu hinunterspringen“ bedeutet „sich zu einem Entschluss durchringen“. Dies erinnert an eine Tradition aus der Edo-Zeit, nach der einem Menschen, der den Sprung von der Terrasse wagte, alle Wünsche erfüllt wurden. Dies scheint glaubhaft zu sein, da die üppige Vegetation unter der Terrasse den Aufschlag abdämpft. 234 Sprünge wurden in der Edo-Periode dokumentiert und davon überlebten 85,4 % der Springer den Sprung (heutzutage ist es jedoch verboten, von der Terrasse zu springen). Die Entfernung von der Terrasse bis zum Grund beträgt nur 13 m, dies ist jedoch eine beeindruckende Höhe für eine solche Holzkonstruktion. Eine breite Treppe führt neben der Haupthalle an den Fuß des Abhanges. Hier befindet der Wasserfall des Otowa-no-taki, wo drei einzelne Wasserkanäle in ein Becken stürzen. Tempelbesucher fangen das Wasser in Metallschalen auf und trinken es, da gesagt wird, dass es heilende Kräfte besitzt und Gesundheit, ein langes Leben und Erfolg bringt.

Der Tempelkomplex beherbergt außerdem mehrere Shintō-Schreine, insbesondere Jishu-jinja, der dem Okuninushino-Mikoto gewidmet ist, einem Gott der Liebe. Auf dessen Gelände befindet sich ein Paar „Liebessteine“, die 18 m voneinander entfernt sind. Es wird gesagt, dass Menschen, die mit geschlossenen Augen den Weg vom einen Stein zum anderen finden, sich bald verlieben werden. Besonders gerne wird dies von japanischen Schülerinnen ausprobiert. Wenn der gehenden Person geholfen wird, bedeutet das, dass ein Vermittler die Liebenden zusammenbringt.

An der Hauptzufahrtsstraße des Tempels, der eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Stadt ist, reihen sich Souvenirgeschäfte aneinander: Händler bieten verschiedene Talismane zum Verkauf an, Räucherwerk und o-mikuji (zukunftsdeutende Lose, die Aufschriften von „großes Glück“ bis „großes Unglück“ tragen) gibt es im Überfluss.

Witzig war auch ein Stein, der vor dem Tempel lag. Da war nämlich Buddhas Fußabdruck drauf!

Zu Mittag habe ich die erste Sushibar gefunden. Bisher hatte ich noch keine einzige entdeckt. Ich habe mir für nicht mal 8 Euro den Bauch vollgeschlagen. Für diese Menge Sushi hätte ich in Deutschland locker 35 Euro zahlen müssen.

Dann fuhren wir noch zum Heian-jingu Schrein. Dieser ist erst 110 Jahre alt. Er wurde zum 1100jaehrigen Stadtjubilaeum Kyotos und zu Ehren der Kaiserfamilien, die in Kyoto wohnten, gebaut. Er ist quasi eine Reproduktion der alten Kaiserresidenz in Kyoto. Daher befinden sich auch, wie beim Kaiserpalast, rechts vor der Gebetshalle ein Kirschbaum und links davor ein Orangenbaum. Wie die Adelshäuser im allgemeinen, ist der Schrein relativ bunt gestaltet, mit viel zinnoberrot und graublauen Dachschindeln.

Der Heian-jingu wurde zu Ehren des Kammu-tennō im Jahr 1895 errichtet, 1.100 Jahre nach Gründung von Heian-kyō (heutiges Kyōto) durch Kammu. 1940 (im 2.600. Jahr der kaiserlichen Abstammungslinie) wurde zusätzlich der Kōmei-tennō, der letzte Tennō mit Regierungssitz in Heian-kyō, im Heian-jingū eingeschreint.

Architektonisch ist er eine grobe Reproduktion im Maßstab 2/3 der alten kaiserlichen Residenz in Kyōto. Alle Gebäude orientieren sich am Baustil der Heian-Zeit. Das 24,2 m hohe Torii aus Stahlbeton mit einem 33,9 m langen Bogen ist das größte in Japan.

Um die Hauptgebäude herum befindet sich der Shin-en, ein Garten aus vier Teilen, die jeweils an den vier Himmelsrichtungen orientiert sind und zusammen 33.000 m² einnehmen. Sie sind im Stil der Meiji-Zeit angelegt.

In der Prozession des Jidai-Matsuri, werden am 22. Oktober jeden Jahres die Mikoshi der beiden Kaiser vom Kyōto Gosho zum Heian-jingū getragen und dort in einer speziellen Lagerhalle verwahrt.

An den Abenden des 1. und 2. Juni finden Nō-Theater-Aufführungen im Schrein statt, sogenannte Takigi-Nō-Tänze.

Wir sahen uns also noch den Garten des Schreins an. Gerade als wir aus dem Garten kamen, lief uns ein vielleicht 5-jähriges Mädchen mit Kimono über den Weg. Sie wurde gegen ihren Willen gezwungen sich von allen Seiten von unserer Reisegruppe fotografieren zu lassen. Aber die Kleine sah einfach so süß aus. Wie eine Puppe.Vorletzte Station des Abends, das Handicraft Center. Das ist eigentlich ein Ballungszentrum für Touris um japanische Souvenirs zu kaufen. Was soll ich sagen... die Versuchung war zu groß. Ich habe mir einen Kimono gekauft. Einen echten! Nicht so ein Polyesterteil "Made in Taiwan". Nein, ich habe ja nach etwas schlichtem gesucht. Zuletzt habe ich einen Seidenkimono entdeckt, handbemalt und handbestickt mit einem Papagei. Das gute Stück hat zwar auch den stolzen Preis von 55000 Yen, aber es ist wirklich ein Schmuckstück.Stephan aus der Reisegruppe, der auch ein totaler Japanfreak ist, hat sich eine Yukata gekauft (quasi ein Samuraikostüm). Da am Abend dieses Kyototages ein gemeinsames Abendessen geplant war, konnten wir nicht widerstehen und sind in Kimono und Yukata in die Kneipe gegangen. Zunächst sind wir von der gesamten Reisegruppe mit Applaus empfangen worden und die Fotoapparate wurden auch sofort gezückt. Nach dem Essen hat uns die Reiseleitung noch durch das Geisha (oder vielmehr Maiko) Viertel Kyotos geführt - Gion. Zu Fuß. Die Japaner sind fast aus den Latschen gekippt. Normalerweise werden wir Ausländer hier in Japan ja kaum wahrgenommen. Hast du einen Kimono an, machen alle große Augen, jeder grüsst dich, alle staunen und mustern dich. Einer kam mit dem Fahrrad auf mich zu (in Japan müssen Radfahrer auf dem Gehweg fahren. Dadurch ist die Gefahr, von einem Radfahrer überfahren zu werden größer als die, von einem Auto angefahren zu werden!). Der Radfahrer kuckte, wollte anhalten und wäre fast vom Rad gekippt, weil er mir hinterher schaute. Auf einer etwas größeren Strasse kamen dann die Japanerinnen und wir mussten uns mit ihnen fotografieren lassen. Eigentlich müssten wir dafür fast Geld verlangen. So könnten wir unsere Urlaubskasse durchaus aufbessern.

Und dann ging es auch schon mit dem Taxi zurück ins Hotel. Zum Glück, denn die Schuhe zum Kimono sind nicht gerade bequem. Und ich weiß jetzt, warum Japaner es so schick finden über den Onkel zu laufen. Im Kimono und diesen Schuhen kann man einfach gar nicht anders laufen.

________________________________________________________________________________________ 
arrow_oben

13.11.2007 – Takayama

Kyoto ade .. .. Alpen wir kommen...

An diesem Morgen hieß es gegen 8 Uhr Abfahrt. Mit dem Taxi ging es zum Bahnhof von Kyoto. Und dort nahmen wir ganz pünktlich den Bullet Train "Shinkansen" in Richtung Tokyo nach Nagoya. Also erstaunlich und faszinierend ist das Ding ja schon, auch wenn es eigentlich nix anderes ist, als ein ICE.

Ich hatte Angst unsere Reiseleitung bekommt einen Herzinfarkt, weil der Zug nur eine Minute lang hält und in dieser Zeit alle Passagiere im Zug sein müssen. Sie hatte wohl Angst, das unsere Gruppe das nicht schafft. War ja aber auch ungewöhnlich. Die Züge halten in Japan ja millimetergenau an den dafür auf dem Bahnsteig vorgezeichneten Stellen. Daher stellen sich alle Japaner fein säuberlich vor Eintreffen des Zuges in einer Reihe dort an, wo sich die Türen später öffnen werden. Die Deutschen standen wild schnatternd im Pulk und völlig desorganisiert. Wir haben es aber geschafft, alle problemlos in den Zug zu kommen und waren 40 min später in Nagoya. Dort nahmen wir den normalen Zug, den "Hida Express", durch die Anfänge der japanischen Alpen entlang des Flusses Hida.

Gegen 12.15 Uhr (mit Verspätung!!!) kamen wir in Takayama an. Das liegt in Zentraljapan und wurde einmal "Klein-Kyoto" getauft. Die Altstadt ist hier noch sehr gut erhalten und zeigt uns eine Lebende Version des alten Kyotos. Die Handwerker von Takayama haben stets ihr Handwerk in Kyoto gelernt. Wenn sie dann nach Takayama zurück kamen, gestalteten sie die Stadt Takayama nach dem Vorbild von Kyoto. Später wurde die Stadt dann als "Freie Stadt" verwaltet. Sie war reich. Es gab hier viele Minen und Forstwirtschaft. Die Bewohner, wenn sie nicht Handwerker (Holzverarbeitung) waren, verdienten ihren Lebensunterhalt mit Handel. Daher gehörte die Stadt auch zu keinem Shogunat, sondern wurde direkt von der Hauptstadt aus regiert. So konnte der Kaiser größere Mengen an Gütern von Takayama beziehen.

Nach einer kurzen Mittagspause in einer lokalen Kneipe (wir waren der Hit in dem Kabuff. 4 Europäer, die Soba-Nudeln essen!) ging es zur Besichtigung.Ein kurzer Stopp im Hida-Kokubunji-Tempel. Da gibt es nicht sehr viel zu sehen. Eine dreistöckige Pagode ist dort zu sehen. Daneben ein 1200 Jahre (!!!) alter Ginkobaum. Das Hauptgebäude des Tempels ist wohl das älteste Gebäude Takayamas.

Danach gingen wir ins Takayama Matsuri Yatai Kaikan & Nikko Kan. Also im Frühling und Herbst gibt es eine große Prozession durch Takayama. Dabei werden 11 Festwagen, die eigens dafür hergestellt sind, durch die Stadt gezogen. Das Besondere: die Wagen sind bestimmt 5-6 m hoch. 5 davon stehen in einem kleinen Museum, durch das wir durchgescheucht wurden.

Witzig war noch ein tragbarer Schrein, der dort auch ausgestellt war. Der wiegt 2,5 Tonnen und man braucht wohl 40 gleich große Männer, die ihn durch die Stadt tragen. Also mindestens 80, denn der Schrein muss ja auch zurück ins Museum getragen werden. Die Sitte wurde 1959 das letzte Mal durchgeführt. Wahrscheinlich haben sie nicht genug starke Männer für diese Tortur. Es folgte noch ein kurzer Rundgang durch ein Nikko-Museum. Dort ist ein Modell in 1:10 von der gesamten Tempelanlage Nikkos zu sehen. Das Original sehen wir nächsten Montag.Es folgte der Besuch einer der hier zahlreich ansässigen Sake-Brauereien mit Verkostung und danach konnten wir noch eine Stunde durch die Altstadt flanieren.

Gegen 6 Uhr gab es schon Abendessen, aber das war ganz besonders lecker. Wir haben Kobe-Rindfleisch (da kosten 100 g um die 3000 Yen - ohne Scherz) über einer Art offener Grill, der in der Mitte des Tisches eingelassen war, gerillt. Das Rindfleisch ist mehr als fettig. Bei uns bekommt man ja nur mageres Fleisch zu kaufen. Das Fleisch hier ist weiß marmoriert und von Fett durchzogen. Auf dem Grill einfach nur lecker.Danach sind wir auch schon ins Hotel gefahren. Das liegt am Rande der Alpen mit Panaoramablick auf die Bergspitzen. Ich bin ja gespannt ob ich was sehe, wenn ich morgen früh aufstehe.

________________________________________________________________________________________ 
arrow_oben

15.11.2007 Takayama - Suwa

Wir schreiben also den 15.11. im Jahre 2007. Wir befinden uns in Takayama in einem Hotel am Rande der japanischen Alpen..... und ich habe sie dennoch nicht zu Gesicht bekommen. Am Morgen war es stark neblig und eiskalt.

Naja, so spare ich ein Foto auf meiner 3. Fotokarte ein. Aber schade ist es trotzdem. 

Erste Station des Tages: der Marktplatz. Nun ja, wohl eher ein Marktplätzchen auf dem sich schnell mehr deutsche Touristen als einheimische Kunden herum trieben. Besonderheit: es gibt dort eine Apfelsorte zu kaufen, die nur in Takayama wächst. Die wird dann auch noch speziell gekennzeichnet. Bevor die Äpfel reifen, klebt eine japanische Hilfskraft einen Aufkleber auf jeden Apfel am Baum. Diese Stelle bleibt dann bei der Reife weiß und wird nicht rot. Wenn die Äpfel abgenommen werden, dann reißt eine weitere Hilfskraft die Aufkleber wieder runter, so dass die Äpfel allesamt in japanisch direkt in der Schale beschriftet sind.

Natürlich gab es überall, wie in allen Souvenirläden in Takayama, die roten Puppen als Glücksbringer. Die roten Puppen, die stellen die alten Bauernfrauen im Winter her, wenn auf dem Hof nicht viel Arbeit ist. Sie haben kein Gesicht und sollen den Besitzer vor Dämonen schützen. Da habe ich dann sofort zugeschlagen, weil die hier wirklich handgemacht sind und nicht industriell hergestellt sind. Außerdem gab es sie günstiger, wenn man gleich 3 Stück nimmt. Ob man es glaubt oder nicht. Doch seitdem ich eines der Püppchen in meiner Wohnung habe, habe ich nie wieder Alpträume irgendeiner Art gehabt.

Gleich hinter dem Markt befindet sich das alte Rathaus aus dem Jahre 1692. Das heißt, ursprünglich wohnte in dem Haus eine Prinzessin der Familie Kanamori. Erst danach wurde es bis 1950 als Rathaus verwendet, nach dem Bau des neuen Rathauses restauriert und ist heute nun ein Museum. Das die Prinzessin Kanamori zur Familie des Shogun gehörte, zeigen die Bilder der Eingangshalle. Es befinden sich im Haus, in der Eingangshalle überall Tapeten mit blauen Wellen. Dieses Design durfte nur in den Familienhäusern der Shogune benutzt werden. In den vielen weiteren Räumen des Hauses bekommt man wirklich einen Einblick, wie die Prinzessin gelebt haben muss. In den Gasträumen sieht man noch in den Nischen die Hängebilder. Diese müssen der Tradition nach immer der aktuellen oder der kommenden Jahreszeit angepasst werden. Man sieht auch wie das Teewasser über der Feuerstelle (die sich ohne Abzug mitten im Raum befindet!!) heiß gemacht wird.

Wie überall in solchen Sehenswürdigkeiten mussten wir auch hier bei der Besichtigung die Schuhe ausziehen. In japanischen Häusern liegt ja normalerweise  Museum (überall waren die Türen geöffnet) da hat man im Handumdrehen Eisfüße.

Nachdem unsere Füße in unseren Schuhen gerade etwas aufgewärmt waren, mussten wir aus dem warmen Bus auch schon wieder aussteigen. Wir waren beim Dorf Ogimachi in Shirakawa-gō angekommen. Das ist ein altes Bauerndorf, heute aber ein Museum. Rund um Takayama bis hin nach Suwa gibt es viele Stauseen. Beim Bau der Stauseen wurde viel Bauland durch Enteignung gewonnen. Auf dem Platz eines der Stauseen befand sich nun ein richtiges altes und erhaltenes Bauerndorf. Das Dorf zu zerstören empfanden zum Glück einige Japaner als schade und so wurde es abgebaut und hier in Sirakawa-go originalgetreu wieder aufgebaut. 1995 wurde es sogar wegen der einzigartigen Bauweise der Häuser zum Weltkulturerbe ernannt. Leider hatten wir auch hier zu wenig Zeit uns alle Häuser anzusehen. Man kann nämlich alle Häuser auch von innen besichtigen (das heißt natürlich wieder Schuhe aus). Aber das war echt interessant zu sehen, wie die Japaner einst gelebt haben. Vor allem die Hausschreine hatten es mir angetan.

Im 8. Jahrhundert von einem Bergasketenkult besiedelt, dessen Zentrum der Berg Haku-san war, erlangte im 13. Jahrhundert die Tendai-shū an Einfluss, die jedoch wiederum von der Jōdo-Shinshū abgelöst wurde. Durch die schwer zu erreichende und abgelegene Lage der Region wurde die Gesellschaft und der Lebensstil fast hauptsächlich durch den Jōdo-Shinshū geprägt, besonders durch deren Kumi-System der gegenseitigen Kooperation unter den Haushalten.

Die Region Shirakawa-gō fand im 12. Jahrhundert, Gokayama im frühen 16. Jahrhundert, das Dorf Ogimachi im späten 15. Jahrhundert, Ainokura in der Mitte des 16. Jahrhunderts und Suganuma im frühen 17. Jahrhundert erstmals urkundliche Erwähnung. Von Anfang der Edo-Zeit war Shirakawa-gō Teil des Lehens Takayama und wurde von 1693–1868 als Tenryō direkt vomShōgunat kontrolliert. Gokayama blieb während der gesamten Edo-Zeit Teil des Lehens Kaga (auch Kanazawa genannt).

In den 1950er Jahren erfolgte der vollständige Anschluss des Gebietes an die Außenwelt.

Im 19. Jahrhundert gab es noch 94 Gasshō-Häuser unter den etwa 1800 Häusern der drei Dörfer insgesamt. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Japans zwischen 1950 und 1975 zogen jedoch viele der ehemaligen Dorfbewohner in die Städte, und Häuser wurden abgerissen, um Platz für moderne zu schaffen. Dadurch betrug die Anzahl der Gasshō-Häuser in den 90er Jahren nur noch 25 und die aller Häuser sogar nur 148. Eine Nationale Kommission zum Schutz von Kulturgütern ernannte nach einer wissenschaftlichen Untersuchung in den 50ern 5 Gasshō-Häuser zum Wichtigen Kulturgut. 1970 wurden Ainokura und Suganuma in Gokayama insgesamt zur Nationalen Geschichtsstätte erklärt, so dass jegliche nichthistorische Änderung der Gasshō-Häuser untersagt wurde. Um den Erhalt Ogimachis in Shirakawa-gō kümmerten sich die Einwohner selber, die 1971 den Verein zum Schutz der historischen Dorflandschaft in Shirakawa-gō, Ogimachi, gründeten.

Shirakawa-gō und Gokayama sind für ihre Häuser bekannt, die in einem Architekturstil namens Gasshō-zukuri (in deutsch etwa: „Stil der zum Gebet gefalteten Hände“) erbaut wurden. Der Gasshō-zukuri wird charakterisiert durch die strohgedeckten, bis zu 60° steilen Dächer, die zum Gebet gefalteten Händen ähneln. Die robuste Bauweise in Kombination mit den Eigenschaften der Strohabdeckung erlaubt es den Häusern, den schweren Schneefällen (bis zu 4 m) der Region standzuhalten und den Schnee herabgleiten zu lassen.

Mit drei bis vier Stockwerken zur platzsparenden Unterbringung von Großfamilien und verschiedenem Handwerk unterscheiden sie sich von normalen japanischen Bauernhäusern einerseits durch ihre Größe und andererseits durch das aktiv genutzte Dachgeschoss. Die Region besteht immer noch zu 96 % aus dichten Wäldern, so dass Landwirtschaft und Gehöfte nur auf engen Streifen in den Flusstälern betrieben werden konnten. Da aber der traditionelle Reisanbau nicht sehr erfolgreich war, wurden Buchweizen und Hirse angepflanzt. Die oberen Stockwerke der Gasshō-Häuser wurden für gewöhnlich zur Seidenraupenzucht genutzt, während die Räume unter dem 1. Stock zur Produktion von Salpeter, dem Rohstoff für Schießpulver, verwendet wurden. Die Blätter der zur Seidenraupenzucht benötigten Maulbeerensträucher wurden ebenfalls im Haus gelagert, um Japanpapier herzustellen. Während sowohl die Salpeterherstellung mit dem Import billigeren europäischen Salpeters und die Papierherstellung mit der Einführung westlicher Herstellungsmethoden im 19. Jahrhundert zum Erliegen kamen, wurde die Seidenraupenzucht bis in die 70er-Jahre fortgeführt.

Danach erlebten wir eine richtige Teezeremonie. Das ist ja in Japan sehr wichtig. In der Teestube, die wir besuchten, durften wir sehr kostbare Tassen benutzen. Sie werden von japanischen Künstlern hergestellt. Also für den Europäer, der jetzt hauchdünne Porzellantassen erwartet, sind die eher eigentümlichen Steingutbecher erstmal seltsam. Kaum zu glauben, dass die Dinger ein Vermögen wert sein sollen (eine Tasse um die 200 Euro und mehr, also nicht fallen lassen!). Es ist halt japanische Töpferei, die nichts mit deutschen Tassen zu tun hat.

Um richtig Tee zu trinken nimmt man die Tasse immer in beide Hände. Die eine Hand legt man flach an die Unterseite der Tasse. Mit der anderen Hand hält man sie seitlich und führt sie zum Mund. Da die Tasse sehr wertvoll ist und immer eine Schmuckseite besitzt, muss man auch darauf achten diese Schmuckseite den anderen Gästen oder dem Gastgeber zugewendet wird, damit er von der Schönheit profitieren kann. Aber zunächst einmal muss der Tee zubereitet werden. Das ist auch eine wahre Kunst und man braucht wenigstens 10 Jahre um zum Teemeister aufzusteigen (mindestens ein Jahr um die Zubereitungsregeln zu lernen, dann muss man noch sämtliche Teepflanzen kennen und und und). Es geht hier nicht einfach ums Aufbrühen eines Tees. Nein, zunächst einmal hat die Zeremonie viel mit Schintoismus zu tun. Daher gibt es zahlreiche Regeln, die man bei der Zubereitung beachten muss. Auch ist der Tee kein Blättertee, sondern Teepulver. Dazu muss man ganz junge Triebe der Teepflanze schneiden und trocknen. Danach wird das Ganze zermahlen. Da sich dieses Pulver nur schlecht auflöst, wird der Tee auch mit einer Art Holzschneebesen (sieht aus wie ein Rasierpinsel) aufgeschäumt. Für den europäischen Geschmack vielleicht nicht das Wahre, aber ich muss sagen, mir schmeckt dieses Gebräu. Der Tee ist außerdem sehr gesund, weil man ja sozusagen die Teeblätter, die viele Vitamine enthalten, mitisst.

Bei der Teezeremonie bekommt man nun eine Süßigkeit gereicht während eine „Teepriesterin“ vorn den Tee zubereitet. Dann bekommt man eine Schale gereicht und verbeugt sich dankend (wir sitzen dabei auf dem Boden, also Verbeugung weit nach vorn und Danke sagen). Danach nimmt man die Tasse, dreht die Schmuckseite zum linken Nachbarn und fragt ihn höflich, ob er erlaubt, dass man zuerst trinkt (in der Regel, hat der Nachbar seine Tasse noch nicht, denn jede Tasse wird einzeln zum Gast gebracht). Der Nachbar antwortet „Bitte“ und dann nimmt man die Tasse und darf endlich trinken. Den Rest des Teeschaumes darf man ausschlürfen.

Nach diesem Erlebnis nahmen wir den Abo Pass durch die japanischen Alpen nach Nagano und weiter zum Suwasee. Die Seeoberfläche befindet sich auf 759 m über dem Meeresspiegel. Die Oberfläche des Sees ist 12,9 km² (24. Rang in Japan), der Umfang beträgt 17 km, die maximale Tiefe 7,6 m. Also nicht sehr tief. Auch gibt es hier viele Thermalquellen. Da wir gut durch den Verkehr gekommen sind, hatten wir noch Zeit den „Niederen Suwa Schrein“ zu besuchen. Sein eigentlicher Name ist Shimo-sha, er befindet sich im Dorf Shimosuwa im Landkreis Suwa. In ihm werden das Götterpaar und Koto-shiro-nushi (ein weiterer Sohn Ō-kuni-nushis) als Kami verehrt. Er besteht aus zwei honden (Haru-miya (Frühlings-Schrein) und Aki-miya (Herbst-Schrein)), in denen die Kami jeweils sechs Monate im Jahr verweilen und dann in einem frohen Fest (O-fune-matsuri) am 1. Februar bzw. am 1. August in den anderen getragen werden.

Aller 6 Jahre (nämlich im Jahr des Tigers und im Jahr des Affen) gibt es ein schintoistisches Fest, bei dem vier mindestens 16 m hohe Tannen von einem Berg zum Niederen und zum Oberen Schrein transportiert werden. Sie werden an den vier Himmelrichtungen rund um den Schrein aufgestellt. Der Mythologie nach wohnen auf den Spitzen der Tannen die Seelen der Götter und auf diese Weise, werden die Seelen in den Schrein geholt.

Auf dem Gelände des Niederen Schreins befindet sich nun wieder eine dieser Kiefern mit drei Nadeln (es gibt nur zwei Orte in Japan, wo diese Kiefer wächst – also hier und auf dem Koya-san).

Danach fuhren wir ins Hotel.... also vielmehr in den Ryokan. Das ist eine japanische Herberge. Zunächst einmal mussten wir am Eingang unsere Schuhe abgeben. Und man bekommt sie nicht wieder! Will man also spazieren gehen, zum Beispiel zum See, dann muss man Holzsandalen anziehen. Und das bei 5 Grad, denn hier am See ist es doch ziemlich frisch. Aber mal ehrlich, wer geht schon in Getas (so heißen die Holzsandalen) spazieren? Das Zimmer ist eigentlich sehr groß und mit Bad (obwohl ich die Türe nicht zumachen kann, da ich mit den Knien an die Wand stoße, wenn ich auf dem Klo sitze). Natürlich gibt es wieder kein Bett. Im Zimmer steht nur ein niedriger Tisch. Aber ein Fernseher ist im Zimmer. Und der wurde genutzt das aktuelle Sumoturnier weiter zu verfolgen.

Danach gab es Abendessen. Ebenfalls ein Erlebnis. Denn in einem Ryokan gibt es natürlich rein japanisches Essen. Und das heißt Fisch und als Beilage Fisch und dazu noch mal Fisch. Man bot uns sogar an, den einen Fisch gleich mit Kopf und Schwanz zu verzehren. Zum Glück gab es noch Entenfleisch! Das hat mir den Abend gerettet.

Als Abschluss zum Essen brachte uns die Reiseleitung Kraniche falten bei. Das war lustig. Weil sich einige doch ________________________________________________________________________________________ 
arrow_oben

16.11.2007 Suwa – Fuji - Hakone

Die erste Besichtigung des Tages war das Gegenstück des gestrigen Schreins. Gestern war es der Niedere Schrein und jetzt fuhren wir zum „Oberen Schrein“.

 

Sein eigentlicher Name ist Kami-sha. Er befindet sich in der Stadt Suwa. Ursprünglich gab es zehn Tempel um ihn herum, neun davon wurden im Zuge des Shinbutsu-Bunri zerstört. Er besteht aus zwei Teilen, dem hongū bzw. hon-miya mit Take-mi-nakata als einzigem Kami (der honden wird jukken-rō genannt) und dem mae-miya (auch zengū, mit Yasaka-tome als Kami; in dessen Uchi-mitama-den wird das nigi-mitama des Kami im honden verehrt).

Seitlich dieses Schreins ist eine Anlage, direkt für mich angelegt. Da gab es nämlich einen Sumoring. Daneben ein Denkmal des Raiden Tameimon (Donnerschlag). Das war mal ein Sumoringer und er gilt bis heute als der erfolgreichste, obwohl er nie Yokozuna wurde. Raiden hatte im Laufe der Jahre 28 der bestrittenen 35 Turniere gewonnen, davon sieben ohne eigene Niederlage oder unentschieden. Seinen 254 gewonnenen Begegnungen standen nur zehn Niederlagen gegenüber. Das entspricht einer Erfolgsrate von 96,2%. Raiden konnte elf Turniere hintereinander und 44 Kämpfe in Serie für sich entscheiden. Das war allerdings alles im 19. Jahrhundert.

Von Suwa zogen wir nun weiter. Unser Mittagessen mussten wir uns heute jedoch selber zubereiten. Wir lernten, wie man Sobanudeln herstellt. Das sind Buchweizennudeln (80% Buchweizenmehl, 20% Weizenmehl). Ein echtes Erlebnis. Wir wurden dazu in Gruppen geteilt, bekamen die Anleitung einer Küchenfrau und mussten selbst mit Hand anlegen. Aber da schmeckt es doch auch gleich doppelt so gut. Die fertigen Nudeln wurden quasi sofort gekocht und auch gleich verspeist..... wenn das nicht frisch ist!

Und nun weiter zum Fuji. Nun gut. Hier beginnt also nun der Teil der Reise, den ich eigentlich von meinem letzten Japanbesuch her kenne. Wiederholen möchte ich mich nicht. Wer mehr erfahren will, kann meinen Reisebericht aus dem letzten Jahr lesen.

Nun ja. Irgendwie kann mich der Fuji nicht leiden. Letztes Jahr hat er sich schon in Wolken gehüllt und auch diesmal wollte er nicht so richtig. Dabei gab es diesmal mehr zu sehen, als letztes Jahr. Schließlich schmückt er sich auf seinen 3776 m mit Schnee. Da die 5. Station bei 2340 Höhenmetern direkt in den Wolken lag, konnte man absolut nix sehen. Also schaute ich mir den kleinen Shintoschrein an, der zwischen den vier (!!!) Souvenirläden liegt. Als ich wieder zurück kam, hatte sich die Wolkendecke doch für circa 2 Minuten aufgezogen und wir konnten doch noch jeder ein Foto schießen. Leider haben wir die fünf Seen, die rund um den Fuji liegen,  nicht gesehen. Am Fuß des Fuji liegt noch ein echter Urwald (so nannte es die Reiseleitung). Der wäre wohl so undurchdringlich, dass sich jeder, der dort eindringt, verläuft. Trotzdem ist ein Teil des Waldes vom nahe gelegenen Militärstandort zum Übungsplatz umfunktioniert worden.

Vom Fuji sind wir dann noch nach Hakone rüber gefahren. Das ist ein sehr bekanntes Thermalbad. Leider lag unser Hotel wieder mal voll in der Pampa. Also keine Möglichkeit die Stadt zu erobern. Stattdessen hielten wir unterwegs an einem Supermarkt um unser Abendessen einzukaufen.

Das Hotel war eigentlich ganz ok. Bis auf......

Eigentlich wollte ich ja meinen Reisebericht weiter schreiben. Aber das Hotel hatte nur einen Computer mit Internetanschluss und der war gerade besetzt. Also dachte ich, versuchst es in einer Stunde noch mal. Fehlentscheidung. Als ich wieder runter kam, war der Computer gerade abgestürzt und ein netter junger Mann machte mir mit einem freundlichen „Ich warte gerade auf den Computer“ klar, dass ich ihn jetzt nicht nutzen darf. Außerdem wartete noch jemand darauf. Eine Stunde später und nach einem genüsslichem Bad konnte ich mich dann nicht noch mal durchringen runter in die kalte Lobby zu gehen.

Und dann profitierte ich von 9 bis 11.30 Uhr noch von einem begeisterten Karaokesänger. Fast jedes unserer Hotels war mit mindestens einer Karaokebox ausgestattet. Nur diese hier lag genau in der zweiten Etage unter meinem Fenster. Ich weiß nicht wieso, aber die Lautstärke war so blöde gerichtet, dass ich nur das Gejaule hörte, aber nicht die Musik dazu. Und das Ganze noch auf Japanisch bitte schön. Zum Glück ging das nicht die ganze Nacht!

________________________________________________________________________________________ 
arrow_oben

17.11.2007 Hakone - Tokio

Der Morgen war sonnig, aber kalt. Macht nix. Wir wurden für die Kälte von einem klaren Blick auf den Fuji belohnt.

Erste Station heute: die Schwefeldampffelder von Hakone (Owakudani - „großes kochendes Tal). In den Bergen entspringt dort aus zahlreichen Quellen heißes Schwefelwasser. Überall riecht es nach faulen Eiern. Das schlimme ist, dass sie dort auch noch Eier verkaufen! Die Eier werden in dem heißen Schwefelwasser gekocht und werden dadurch schwarz. Isst man ein solches Ei soll man angeblich 7 Jahre länger leben. Eine gute Nachricht für die Raucher also, die auf diese Weise ihr durch Rauchen verkürztes Leben wieder verlängern können. Also ausprobiert hab ich es nicht, denn die Eier gab es nur im 6er Pack und was will ich 42 Jahre länger leben?

Danach ging es runter zum Ashi-See. Von Hakone aus nahmen wir eines der Linienschiffe, die den See überqueren. Es war zwar ziemlich kalt, aber der Anblick der Herbstlandschaft war schon nicht schlecht.

An der dritten Station stiegen wir aus. Dort liegt eine alte Zollstation, die wir allerdings nur von außen ansahen. Früher musste hier jeder, der von Edo (Tokyo) nach Kyoto wollte über den Hakoneberg durch diese Station durch. Sollte einer erwischt werden, der nicht an dieser Zollstation vorbei ging, dann wurde das mit dem Tod bestraft! Grund: man wollte vermeiden, dass geheime Nachrichten transportiert wurden.

Wir fuhren nun mit dem Bus über den besagten Berg von Hakone ans Meer. Dort liegt gleich neben der Autobahn der Strand.... zum Glück sonnen sich die Japaner nicht. Am Strand entlang fuhren wir nach Kamakura. Kamakura war mal für kurze Zeit im 14. Jahrhundert die Hauptstadt von Japan. In Kamakura gab es Mittagessen in einem super schicken Hotel. Der Rahmen war ja ganz angenehm. Leider war wohl französische Woche und so fielen die Portionen total klein aus.

Nach dem Essen besuchten wir mit knurrendem Magen den Daibutsu und den Hachimangu Schrein. Beides habe ich ja letztes Jahr schon gesehen. Was ich noch nicht kannte war das Shichi-go-san Fest. Die Kinder werden am Shichi-go-san von ihren Eltern (und oft auch Großeltern) zum Shintō-Schrein des Ujigami der Familie begleitet. Die Kinder (und oft auch die älteren weiblichen Verwandten) sind zu dieser Gelegenheit in ihren besten, traditionellen Gewändern (Kimono) gekleidet. Am Schrein wird dann aus Dankbarkeit für das bisherige Glück und für zukünftige Gesundheit und Sicherheit gebetet. Wir haben also im Hachimangu zahlreiche kleine Püppchen gesehen, die in den schönsten Kimonos zum Schrein liefen. Natürlich waren alle Fotoobjekt Nummer eins. Unsere Reisegruppe machte sich schon fast einen Sport daraus, die Kleinen zu fotografieren.

Und dann ging es endlich nach Tokyo. Die letzten drei Nächte der Reise durften wir wieder in einem fünf Sterne Hotel nahe der amerikanischen Botschaft verbringen. Der Stadtteil Roppongi ist nicht weit von da. Die Stadt selber kannte ich ja schon ein bisschen und daher bot ich an, abends Roppongi Hills zu besuchen, da ein weiteres Abendprogramm von der Reiseleitung auch nicht geplant war. Roppongi Hills ist ein Hochhaus mitten in Tokio mit einer Plattform von der aus man 360 Grad in der Runde Tokio von oben sieht. Gesagt getan. Stephan und ich zogen also los..... natürlich in die falsche Richtung. Nach 15 Minuten merkten wir, dass wir auf dem Plan gar nicht da waren, wo wir eigentlich hin wollten. Eine nette Japanerin eilte uns zu Hilfe und erklärte uns den Weg auf Englisch. Wir bedankten uns auf Japanisch. Daraufhin war sie so begeistert, dass sie uns den Weg noch einmal auf Japanisch erklärte..... das war der Punkt, wo ich wieder mal nur Bahnhof verstand. Stephan nickte jedoch eifrig. Wir gingen den Weg also quasi wieder zurück.

Nach einer Weile kamen wir an eine viel befahrene Kreuzung. Mitten auf der Kreuzung stand ein Taxi...... eigentlich ganz normal. Nur dann fuhr der Typ plötzlich rückwärts über die ganze Kreuzung! Und da knallte es auch schon. Keine Ahnung, wohin der Taxifahrer eigentlich fahren wollte, auf alle Fälle rammte er einen rechts abbiegenden Van volle Kanne. Beide Fahrzeuge räumten die Kreuzung und hielten an der Seite an. Der Taxifahrer kam auch gleich zum Van rüber gelaufen und wäre auf der Kreuzung selbst fast noch überfahren worden. Noch ein lebensmüder Japaner in Tokio!

Nach 40 Minuten kamen wir dann endlich bei Roppongi Hills an und genossen auch die Aussicht. Noch ein schnelles Sushi im Restaurant und wieder zurück ins Hotel. Im Restaurant haben wir einen Amerikaner aus Kalifornien kennen gelernt. Mit dem haben wir dann eine Weile gequatscht und uns für nächstes Jahr im gleichen Restaurant verabredet. Wir werden sehen, ob das klappt.

Im Hotel wollte ich dann endlich die drei Tage Reisebericht nachholen. Ich ging an die Rezeption und fragte freundlich nach einem Computer. Man sagte mir, dass es einen Computer im Hauptgebäude gibt (das Hotel war in zwei Häuser geteilt und wir waren im Südflügel untergebracht). Aha. Im Hauptgebäude angekommen sagte man mir aber dann, dass der Computer im Businessraum steht. Und der Businessraum ist am Wochenende geschlossen. Ich solle mich beim Assistent Manager melden um den Schlüssel eventuell zu bekommen. Der war aber nicht da. Frustriert ging ich aufs Zimmer und von dort aus in die Bar.

In der Bar gab es dann auch noch ein schönes Schauspiel. Neben mir saß ein japanisches Paar. Wahrscheinlich hatte der Japaner die junge Frau wohl abgeschleppt und zum Trinken eingeladen. Und er war nun stockbesoffen und schnarchte auf seinem Barhocker. Ab und zu kippte der Kopf nach hinten. Dann wieder nach vorn. Dann nahm sie ihm freundlicherweise die Brille ab, so dass er es bequemer hatte. Ich habe mich köstlich über die beiden amüsiert.

Das entschädigt etwas für den Computer. Eigentlich wollte ich ja nicht nur den Reisebericht schreiben, sondern auch Simon eine Mail schicken. Simon ist mein Sumo-Korrespondent bei sumotalk.com. Wir wollten uns ja in Tokyo treffen und in einer Bar Sumo schauen. Wenn ich schon mal da bin. Und nun hatte ich keine Möglichkeit ihn zu kontaktieren, weil ich auch seine Telefonnummer nicht hatte.

________________________________________________________________________________________ 
arrow_oben

18.11.2007 Tokio

Tokiorundfahrt war heute angesagt. Wir sahen uns zunächst den Kaiserpalast und den Meiji-Schrein an. Was ich ja letztes Jahr schon gesehen habe. Eines hatte ich aber letztes Jahr nicht besichtigt – das Rathaus von Tokyo. Und das war die dritte Station am heutigen Tag. Das Rathaus steht im Stadtteil Shinjuku und wurde zwischen 1988 und 1991 erbaut. Dort wird von 13000 Beamten die gesamte Stadt Tokyo verwaltet. Es ist 243 m hoch und man kann gratis zu einer Aussichtsplattform hochfahren. Von dort aus sahen wir nun die gesamte Stadt von oben. Es ist schon unglaublich. Soweit das Auge reicht sieht man nur Häuser bis an den Horizont. Sogar den Fuji konnte man erahnen.

Nach dem Mittagessen stand noch die Besichtigung des Asakusa Tempels und Schreines auf dem Plan. Den hatte ich ja auch letztes Jahr schon gesehen. Diesmal war aber eines der Eingangstore, welches letztes Jahr gerade renoviert wurde, fertig gestellt.

Nun hatten wir Freizeit. Ein Teil der Reisegruppe fuhr nun nach Ginza, der Einkaufsmeile in Tokyo. Einige wollten auch Karten für das Kabuki Theater. Da ich auch das beides schon kannte, entschied ich mich dafür, mein Kimono-Outfit zu vervollständigen und zu perfektionieren. Ich habe also noch einen richtigen Obi gekauft und zwei Gürtel, die ich noch brauchte. Das musste ich am Abend noch ausprobieren. Stephan und ich schmissen uns also wieder in Schale. Es dauerte wohl ca. 45 Minuten bis wir alle 6 Gürtel um den Kimono hatten, aber das Ergebnis war 1a.

Eigentlich wollten wir noch mal Tokyo so kostümiert unsicher machen, aber draußen stürmte es regelrecht. Wind mit einer Geschwindigkeit von 18 m/s. Und ich habe endlich festgestellt woher meine blauen Flecken zwischen den Zehen kamen..... von den Getas. Weit laufen konnte ich also nicht in den japanischen Schuhen. Also beschlossen wir noch einen Drink in der Bar zu nehmen und ernteten wieder allerhand erstaunte Blicke im Hotel. Dann trafen wir auch noch richtige Japanerinnen im Kimono, die uns kritisch musterten. In der Bar brachte uns ein Kellner auch gleich Servietten, dass wir uns ja nicht vollkleckern.

Und es gab wieder ein Schauspiel zu beobachten. Am Tisch neben uns hatte wieder ein älterer Japaner ein junges Mädchen abgeschleppt. Die war schon total abgefüllt. Aber sie hatte eine Louis Vuitton Handtasche dabei. Wahrscheinlich die Bezahlung für die kommende Nacht. Wozu braucht eigentlich jede Japanerin eine von diesen, meiner Meinung nach absolut hässlichen, Handtaschen?

Kaum waren die beiden gegangen kam auch schon das nächste Pärchen rein. Gleiches Schauspiel.

________________________________________________________________________________________ 
arrow_oben

19.11.2007 Nikko

Letzter Tag in Japan. Heute Morgen mussten wir wieder früh aufstehen. Mit dem Bus ging es zur Asakusa Station und von dort mit dem Zug nach Nikko. Nikko habe ich ja auch schon gesehen, allerdings nicht den Rinno-ji Tempel. Der Tempel stammt aus dem 8. Jahrhundert und wurde von Shodo Shonin (einem Priester) gegründet. Im Tempel selbst sind drei heilige Figuren zu bewundern. Diese sollen die drei heiligen schintoistischen Berge symbolisieren.

Danach sind wir kurz durch den Toshogu Schrein geschlendert, aber einige Dinge, die ich letztes Jahr gesehen habe, wurden leider nicht angeschaut. Das Mausoleum selbst haben wir nicht gesehen und ich wäre zu gerne noch mal in die Halle mit dem Drachen gegangen.

Dafür fuhren wir nun zu den Kegon-Fällen. Da hatte ich ja letztes Jahr das Pech, dass schlechtes Wetter war. Diesmal war es zwar kalt, aber dafür sonnig.

Zunächst sind wir aber erstmal an den Chuzenji-See. Ein kurzer Stopp für das Mittagessen und für ein Foto. Und dann sind wir noch ein Stück weiter zu den Ryuzu-Fällen gefahren. Eigentlich ist das kein richtiger Wasserfall, sondern mehr eine Kaskade. Der Bus setze uns oben ab und man konnte entlang des Flusslaufes zum See hinab laufen. Am Rande des Flussbettes lag sogar noch Schnee, der morgens dort gefallen sein soll. Unten angekommen fließt das Wasser rund um einen Felsen, der wohl so wie ein Drachenkopf aussehen soll (daher heißt der Wasserfall auch so – ryu = Drache). Ich hab keinen Drachenkopf gesehen.

Danach noch ein kurzer Stopp auf der anderen Seite des Chuzenji-Sees. Dort konnten wir den Fuji von Nikko sehen. Eigentlich ein total unspektakulärer Berg. Aber weil er nun eben genau die Form des Fuji hat, wird er eben so genannt.

Dann noch ein kurzer Stopp bei den Kegon Falls, die den Ablauf des Chuzenji-Sees bilden und den Ursprung des Oshiri Flusses. Angeblich soll jedes japanische Kind diesen Wasserfall zeichnen können.

Ein kurzer Bummel durch die Souvenirläden und dann ging es mit dem Bus über die Serpentinen zurück zum Bahnhof. Unterwegs sahen wir sogar noch einige Affen für die Nikko ja eigentlich auch berüchtigt ist. In der Stadt haben wir sogar eine Affenmutter mit ihrem Baby erspäht, die gemütlich die Strasse überquerte.

Gegen 19.15 Uhr trafen wir wieder in Tokyo ein und die Reiseleitung lud uns zum letzten Abendessen ein. Da wir alle das Kobe-Fleisch so genossen haben, durften wir noch einmal grillen gehen. Das heißt, der erste Gang war auf die Toilette. Und da war ich dann doch sehr erstaunt. Dort befindet sich immer eine Flasche mit Mundspüllösung und Becher. Finde ich seltsam in einem Restaurant. Aber gut.

Für den ersten Gang beim Essen grillten wir Jakobsmuscheln über dem Feuer, anschließend Rindfleisch und danach kam auch noch ein riesiger Teller mit Hühnchenfleisch. Kein Wunder, dass wir alle runde Bäuche hatten. Die Reiseleitung spendierte uns sogar das erste Getränk.

Da es das letzte Essen war, bedankten wir uns bei unserer Reiseleitung. Die Erklärungen waren zwar häufig in einem recht schwer verständlichen gebrochenen Deutsch aber alles in allem, war es eine sehr schöne Reise.

Der Tag endete ziemlich spät im Hotel, da wir auch noch vom Restaurant zum Hotel zurück laufen mussten. Jetzt noch Koffer packen.........

________________________________________________________________________________________ 
arrow_oben

21.11.2007 Tokio - Deutschland

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben..... und erzählen.

Fast dachte ich, dass ich zur Rückreise gar nix sagen kann. Ein Fehlschluss. Zunächst lief ja alles gut. Morgens ging es mit dem Bus nach Narita zum Flughafen. Auf der Fahrt lies die Reiseleitung noch einmal alle Stationen unserer Rundreise Revue passieren.

Am Flughafen kamen die ersten Schwierigkeiten. Der Check in dauerte mindestens 15 Minuten. Zunächst war das Problem das die junge Frau hinter dem Schalter nicht richtig Englisch sprach. Dann suchte sie meinen Flug im Computer, dann meinen Namen (ok für einen Japaner muss das auch kompliziert sein). Dann stellte ich fest, dass sie mich nur bis Frankfurt eingecheckt hatte. Also fragte ich, ob sie nicht wenigstens das Gepäck bis Dresden durchschicken könne, da ich sonst meinen Anschlussflug nie schaffen würde. Das hat dann auch noch mal 10 Minuten gedauert, ehe das Gepäck auf dem richtigen Weg und ich nun doch beide Bordkarten in der Hand hatte.

Fumi-san (die Reiseleitung) verabschiedete sich von allen persönlich und bedankte sich noch mal für das Trinkgeld. Sie fragte mich, ob ich ihr meine Adresse geben könne. Sie hatte in irgendeinem Laden oder so einen Sumokalender entdeckt. Den will sie mir noch organisieren und mir mit der Post schicken. Na mal sehen. Den Kalender bekommt man eigentlich nur, wenn man in einem Fanclub Mitglied ist. Und alle meine Versuche in so einen Klub einzutreten sind bisher fehlgeschlagen.

Kaum in Frankfurt gelandet ging die Rennerei los. Musste ja den Anschlussflug kriegen und der ging kurioserweise plötzlich eine halbe Stunde früher als in meinen Reiseunterlagen stand. Die Zeit war knapp und ich musste ja vom Haus B ins Haus A rüber wechseln. Und dann noch mal durch die Handgepäckkontrolle. Warum auch immer. Ich meine, ich steige gerade aus einem Flieger...... woher soll ich da die Bombe haben, die sie in meinem Handgepäck suchen?

Zum Glück ging alles schnell.

Ich kam gut in Dresden an, auch mein Gepäck. Aber dann hielt mich der Zoll an um mich zu filzen. Resultat, ich musste Zoll für meinen Kimono bezahlen. Pi mal Daumen setzte der Beamte 200 Euro fest, die ich verzollen müsste. Was will man sich dagegen wehren. Ich bin ja froh, dass er meine Tasche nicht auseinander genommen hat, dann hätte er nämlich noch mehr zum verzollen gefunden. Zum Beispiel meine Weste. Leider hatte ich nicht genügend Euro mit, um den Zoll (27 Euro immerhin) zu bezahlen. EC-Karte ging auch nicht, weil ich natürlich meine Geheimzahl vergessen habe! Ich fragte spassenshalber den Beamten ob er nicht Yen akzeptieren würde....... und erntete dafür böse Blicke.

Zum Glück warteten Mutti und Micha draußen! Da ging ich dann raus und wurde stürmisch begrüßt. Und meine ersten Worte... „ich brauch mal schnell 10 Euro“........

Damit geht meine Reise zu Ende.

________________________________________________________________________________________ 
arrow_oben

Fazit:

Ich bin immer noch verrückt auf Japan. Will unbedingt noch nach Hokkaido, Kyushu und Okinawa sehen (denn dort war ich noch gar nicht). Auch wenn ich vom Essen nicht so begeistert war. Meine Sprachkenntnisse muss ich unbedingt noch verbessern und ich habe ganze 4 Karten (7 GB) mit Fotos und Videos voll bekommen!  Und das Hello Kitty Fieber hat mich auch erwischt........ Resultat 14 Handyanhänger.


© 2008 by klickermaus.de